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Er verneigte ſich noch einmal vor ihr, und wandte ſich dann der Thür zu. Die Prinzeſſin ſah ihm athemlos nach, und die Thränen, welche ſo lange in ihren Augen geſtanden, rannen jetzt langſam über ihre Wangen nieder.
Auf einmal, wie der Prinz ſchon auf der Schwelle ſtand, rief ſie mit lautem, flehendem Ton: Heinrich! Oh, Heinrich!
Aber der Prinz wandte ſich nicht nach ihr um. Er öffnete nur etwas haſtiger die Thür und trat hinaus.—
Eine Viertelſtunde ſpäter war in dem großen Empfangsſaal eine glänzende Geſellſchaft verſammelt. Der Prinz empfing ſeine Gäſte ganz in der heiteren, liebenswürdigen Weiſe, wie er es ſonſt zu thun pflegte. Aber an der Prinzeſſin wollte die lauernde, immer beobachtende Hof⸗ geſellſchaft heute eine Veränderung bemerken. Die Prinzeſſin, fanden ſie, ſei heute einſylbiger, ſtiller als ſonſt, ihre Augen hatten nicht den gewohnten heiteren Glanz, ihre Wangen waren bleich, trotz der Schminke, welche ſie aufgelegt, ſelbſt ihre Stimme war verändert, klanglos und matt, und das Lächeln, welches ſie auf ihre Lippen bannte, war doch nur immer ein kaltes und gezwungenes.— Noch auffallender ſchien Allen die Veränderung, welche mit dem Grafen Kalkreuth vorgegangen. Er, welcher ſonſt immer von Heiterkeit und Witz überſprudelte, deſſen muntere Scherze ſonſt immer das Ergötzen des ganzen Hofes geweſen, er, welcher wie der Schatten des Prinzen immer an ſeiner Seite zu ſein pflegte, oder der Prinzeſſin als ihr aufmerkſamſter Cavalier folgte, er war heute ſprachlos und ſtill, er ſtand einſam und verlaſſen in einer Fenſterniſche da, und ſchaute mit traurigen Blicken hinüber zu dem Prin⸗ zen, welcher mehrmals ſchon lachend und plaudernd im Geſpräch mit Anderen an ihm vorübergegangen war, ohne ihn begrüßt oder nur ein einziges Mal angeſehen zu haben.— Und doch ſahen die Hofleute, wel⸗ chen des Grafen verändertes Weſen auffiel, nur die äußeren Spuren königlichen Familie zuſammen, und als die Königin von Schweden 1770 zum Be⸗ ſuch an den Hof ihres Bruders kam, war Prinzeſſin Wilhelmine die einzige, welche die Königin weder aufſuchte noch zu ſich einlud. Doch erreichte die Prin⸗ zeſſin ein ſehr hohes Alter und überlebte ihren Gemahl, welcher 1804 ſtarb, noch um einige Jahre.(Thiébault. Vol. II. p. 139— 144.)


