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Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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Und jetzt, Madame, da Sie meine Bedingungen angenommen haben und die Verhältniſſe geregelt ſind, unter denen wir nebeneinander herge⸗ heu wollen, jetzt haben wir uns nichts mehr zu ſagen, als ein Lebe⸗ wohl bis zum Tode! Leben Sie alſo wohl, Madame, und möge Ihr Daſein ein glückliches ſein!

Leben Sie wohl, Prinz, flüſterte die Prinzeſſin mit leiſer, von Thrä⸗ nen faſt erſtickter Stimme, leben Sie wohl, und möge Gott Ihr Herz lenken, daß Sie mir eines Tages erbarmungsvoll verzeihen.

Madame, ſagte der Prinz, ſich tief verneigend, jetzt haben Sie die Gnade Ihre Toilette ein wenig zu ordnen, und alsdann mit Ihrem Ge⸗ folge in den großen Empfangsſaal ſich zu begeben. Wir werden heute ein großes Galadiner geben, und mit dieſem Feſt Abſchied nehmen von unſerer Vergangenheit. Es wird heute das letzte Mal ſein, daß wir an derſelben Tafel ſpeiſen! Ich erwarte Sie alſo, Madame! Leben Sie wohl!*) 3

*) Der Prinz blieb ſeinem Vorſatz getreu. Er ſprach niemals wieder mit ſeiner Gemahlin, ſie ſchien wirklich für ihn geſtorben zu ſein. Im Sommer lebte er in Rheinsberg, wohin ſeine Gemahlin niemals kam, im Winter lebten ſie Beide in Ber⸗ lin in ihrem Palais(dem jetzigen Univerſitätsgebäude), aber niemals betrat der Prinz die von der Prinzeſſin bewohnte Hälfte des Palais, und ebenſo wenig kam die Peinzeſſin jemals nach der von dem Prinzen bewohnten Seite hinüber. Die eigenthümliche Bauart der Treppe erleichterte dieſe Trennung ſehr, und befreite den Prinzen wenigſtens von der Unannehmlichkeit, ſeiner Gemahlin jemals zu begegnen. In Bezug darauf ſagte der Graf von Lehndorf einmal zu dem Prin⸗ zen:Monſeigneur, der König hat Ihnen wirklich ein bewunderungswürdiges Palais bauen laſſen, man kann ſein ganzes Leben darin zubringen, ohne jemals zu riskiren, daß man einem Frauenzimmer begegnet. Der Prinz liebte indeß ſolche Anſpielungen auf ſein trauriges Eheverhältniß nicht, und als einmal die Gräfin Kameke es wagte mit ihm davon zu reden, und einen Vermittelungsverſuch zwiſchen den beiden Gatten machen wollte, wies der Prinz ſie mit harten und ſtren⸗ gen Worten zurück. Die Prinzeſſin ſchien für ihn ganz und gar nicht mehr zu exiſtiren. Selbſt in ſeinem Teſtamente gedachte er ihrer mit keinem Wort, und hinterließ ihr nicht das kleinſte Andenken, während der König ihr in ſeinem Te⸗ ſtament ſechstauſend Thaler vermachte, aber nicht außer dem irgend ein Andenken, wie er ſonſt für jeden ſeiner Angehörigen ein ſolches beſtimmt hatte. Prinzeſſin Wilhelmine führte überhaupt, ſeit ihrem Bruch mit dem Prinzen ein trauriges und vereinſamtes Leben. Sie kam ſelten mit den übrigen Mitgliedern der