——
— 171—
doch niemals an die Haltbarkeit Ihres Hauſes glauben, ſondern jede Stunde gewärtigen, daß es über mir zuſammenbricht. Wir wollen an unſerem Verhältniß nichts flicken und zuſammenkleiſtern, und mit ſchönen Redensarten nicht übertünchen, was der Blitz ſchwarz gemacht. Ich ver⸗ gebe Ihnen, was Sie mir gethan, aber ich kann Sie nicht mehr lieben. Wir ſind geſchieden vor Gott und vor unſeren Herzen. Aber vor der Welt ſind und bleiben wir vermählt. Wir werden gemeinſchaftlich dieſes Palais bewohnen, aber wir werden uns bemühen, uns niemals in dem⸗ ſelben zu begegnen; Sie werden die eine Hälfte bewohnen, ich die andere, wir werden an großen Gallatagen, wo es die Etiquette erfordert, zu⸗ ſammen diniren, aber wir werden dann an verſchiedenen Tafeln präſi⸗ diren, und Sie werden mir verzeihen, wenn ich niemals das Wort an Sie richte. Wir ſind für einander todt, und die Todten ſprechen nicht zu einander. Im Sommer werde ich in Rheinsberg wohnen. Es ge⸗ hört mir, der König hat es mir geſchenkt zu meiner Vermählung mit Ihnen, und mir ſcheint, ich habe es theuer genug erkauft, um es ganz allein für mich beanſpruchen zu können. Sie werden mir nicht nach Rheinsberg folgen, ſondern hier in Berlin zurückbleiben, oder, wenn es Ihnen beliebt, irgend eine Reiſe machen. Nehnien Sie dieſe Bedingun⸗ gen an, Madame?
6 Ich nehme ſie an, mein Herr, ſagte die Prinzeſſin ſtolz. Ich werde nicht das kleinſte Wort daran ändern und verwiſchen. Wir werden neben einander hergehen, wie ein paar Galeerenſclaven, die durch kein inneres Band, durch keinen Gedanken und kein Gefühl aneinander gebunden ſind, ſondern nur durch eine eiſerne, unzerreißbare Kette, welche ſie zwingt nebeneinander zu gehen. Es iſt eine harte Strafe, welche Sie da für mich erſonnen haben, mein Prinz, nur fürchte ich, daß nicht ich allein es ſein werde, welche darunter leidet, ſondern daß auch ein Theil derſelben Sie ſelber trifft.
Ich ſagte Ihnen ſchon, daß ich Niemand ſtrafen, ſondern daß ich mir nur Ruhe und Frieden ſchaffen will, und Beides wird mir durch Ihre Gegenwart in dieſem Palais nicht gefährdet werden, denn Sie, Madane, ſind ſehr gnädig gegen mich geweſen, Sie haben mir nicht
blos die Liebe getödtet, ſondern ſogar die Erinnerungen an dieſelbe!—


