Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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Unglücklichen zu beklagen, denn ich bin nicht unglücklich und will es nicht ſein!

Die Prinzeſſin hob ihre Augen mit einem ſcheuen Blick empor zu ſeinem Antlitz, welches ſo ſehr ſeinen Worten widerſprach, und in welchem dieſe drei Tage eine furchthare Veränderung hervorgebracht. Seine Wan⸗ gen waren eingefallen und bleich, ſeine Stirn tief bewölkt und düſter, und um ſeinen Mund hatte der Kummer jene ſeigenthümlichen, ſcharfen Züge angeſetzt, mit denen das Unglück ſeine Opfer zeichnet, jene Züge, welche niemals wieder verwiſcht werden können, ſelbſt wenn das Glick wieder einen Sonnenſchein über das ſo gezeichnete Antlitz wirft. Als Prinzeſſin Wilhelmine dieſe Veränderung ſah, welche wenige Tage auf dem Antlitz ihres Gatten hervorgebracht, fühlte ſie ihr Herz von einem unausſprechlichen, reuevollen Jammer erfaßt.

Mein Gemahl!, ſagte ſie leiſe, indem ſie ihre Hände flehend zu ihm emporhob, haben Sie Erbarmen mit Sich und mit mir. Bevor Sie entſcheiden, hören Sie mich an. Ich fühle es, daß ich mich ſchwer an Ihnen verſündigt habe, aber ich will verſuchen, wieder gut zu machen. Indem ich Sie anſehe und in Ihrem Antlitz leſe, was Sie gelitten ha⸗ ben, fühle ich an dem Schmerz, der bei dieſem Anblick meine ganze Seele wie ein ſchneidendes Schwert durchreißt, wie theuer Sie mir ſind! Ich bereue und will wieder gut machen, mein Gemahl. Ich will mein Herz bezwingen, ich will Sie lieben und nur Sie allein! Ich will Ihnen fortan eine treue Gattin ſein, und das Beſtreben meines ganzen Lebens ſoll ſein, Sie glücklich zu machen. Ich gelobe hier, wie vor Gottes Altar, Sie zu lieben und Ihnen zu gehorſamen, als meinem Herrn und Gemahl. Wollen Sie mein Herz, welches reuevoll Ihnen entgegen⸗ kommt, wollen Sie es annehmen, Heinrich?

Sie reichte ihm mit einem vollen, ſtrahlenden Blick ihre Hand dar, aber er nahm ſie nicht.

Nein, ſagte er, es iſt zu ſpät. Ich bauete Ihnen einen Tempel in meinem Herzen. Sie haben ihn zertrümmert, und wollen jetzt aus dem zerbröckelten Geſtein ein Wohnhaus bauen? Nein, Prinzeſſin. Laſſen wir in Trümmern liegen, was der Blitz zerſchlagen hat. Ich würde