Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

169

haben. Sie ſind nicht bloß dazu da, um den zärtlichen, oder auch den rächenden Eheherrn zu ſpielen, Sie ſind vor allen Dingen ein Prinz und ein Mann, und beide Eigenſchaften legen Ihnen die Pflicht auf, Sich der Welt zu erhalten, und Sich Ihrer würdig zu zeigen. Es giebt für uns Beide auf Erden noch viel zu thun, und ein rechter Mann läßt ſich auf ſeinem Wege nicht aufhalten durch ein leichtſinniges Weib, welches ihm einige Dornen unter die Füße wirft. Er ſchreitet über die Dornen hin, verbeißt den Schmerz und geht weiter. Es freut mich, daß das auch Ihre Meinung iſt, und daß Sie den Gedanken an einen öffent⸗ lichen Scandal und ein öffentliches Aergerniß ganz aufgegeben haben. Da dem ſo iſt, gebe ich Ihnen Vollmacht, Ihr Verhältniß zu der Prin⸗ zeſſin ganz nach Ihrem Gutdünken zu ordnen, und Beſtimmungen zu treffen, wie ſie Ihnen angemeſſen erſcheinen. Was Ihre Bitte wegen des Grafen und Obriſtlieutenants von Kalkreuth anbetrifft, ſo iſt Ihnen die⸗ ſelbe bewilligt. Ich ernenne den Grafen zum commandirenden General des dritten Armeekorps, welches in Preußen ſteht. Er wird unverzüglich dahin abgehen. Sie, mein Prinz, ermächtige ich, ihm ſeine Ernennung mitzutheilen, und ihm zu ſagen, daß er, ſobald er von Ihnen entlaſſen worden, nach Sansſouci komme, um ſich bei mir zu verabſchieden. Sie ſchreiben mir, daß Sie ein Feſt geben wollen. Das iſt ſchön. Es iſt immer beſſer ſeinen Schmerz mit Blumen und heiteren Geſängen zu er⸗ ſticken, ſtatt ſich das Haar abzuſcheeren, die Mönchskutte überzuhängen und fromme Litaneien hören zu laſſen. Möge Ihr Feſt ein heiteres ſein, und möge es dauern ſo lange als Sie leben. Friedrich.

Die Prinzeſſin hatte die Lectüre beendet, und reichte ihrem Gemahl das Billet wieder dar. Ich ſehe, flüſterte ſie kaum hörbar, ich ſehe, daß Sie ſehr großmüthig geweſen ſind, mein Gemahl. Sie wollen mit Wohlthaten ſtrafen, ſtatt mit gerechtem Zorn. 3

Ich will weder das Eine, noch das Andere, ſagte der Prinz kalt, ich will einfach meinem Leben Ruhe und Frieden wiedergeben, und vor allen Dingen will ich nicht, daß die Welt das Recht habe, mich als einen