Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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Sie zögerte daher, als der Prinz jetzt die letzte Thür des Corridors öffnete, und ſie bat einzutreten. Mit einem angſtvollen Blick ſchaute ſie zurück nach ihrem Gefolge, welches zögernd am Ausgange des Corridors zurückgeblieben war.

Werden Sie nicht erlauben, daß meine Damen uns folgen? fragte ſie leiſe.

Nicht doch, Madame, ſagte der Prinz rauh, wir werden allein gehen.

Er ſchob ſie faſt gewaltſam hinein in das Zimmer, und indem er hinter ihr eintrat, riegelte er die Thür ab.

Prinzeſſin Wilhelmine ſtieß einen lauten Schrei aus und wich ent⸗ ſetzt von dem Prinzen zurück. Warum ſchließen Sie die Thür zu? fragte ſie bebend. Wollen Sie mich ermorden, mein Gemahl?

Der Prinz lachte laut auf. Ah, Sie wollen alſo ein tragiſches Ende Ihres Romans, Madame, ſagte er. Nicht doch, es wird ſich Alles ganz gewöhnlich und proſaiſch enden, und Sie werden weder die Rolle einer Heldin noch einer Märtyrerin zu ſpielen haben. Ich will Ihnen weder Vorwürfe machen, noch will ich Sie ſtrafen. Ich überlaſſe das Gott und Ihrem eigenen Gewiſſen! Ich will nur mit Ihnen unſere Zukunft regeln, und die Bedingungen feſtſetzen, unter denen unſer Leben ſich fort⸗ führen wird. Deshalb ſchloß ich die Thür ab, damit Niemand uns ſtören kann.

Und welches ſind Ihre Bedingungen? fragte Prinzeſſin Wilhelmine tonlos..

Wir werden nachher davon ſprechen, Madame. Zuerſt haben Sie wohl die Gnade, dieſes Billet zu leſen, das ich ſo eben als Antworts⸗ ſchreiben von dem König erhalten habe. Haben Sie die Güte, mir den Inhalt deſſelben laut vorzuleſen, damit wir zu gleicher Zeit jedes Wort deſſelben hören.

Die Prinzeſſin nahm das Papier, welches der Prinz ihr mit einer ehrfurchtsvollen Verbeugung darreichte, und las:Mein Bruder! Ihr Brief hat mir einen großen Troſt gewährt, denn er beweiſt mir, daß Sie wieder ein Mann geworden ſind, und den Schmerz überwunden