— 167—
men, und dem Diner, ſowie dem darauf folgenden Concert zu prä⸗ ſidiren.. Dieſe Aufforderung war für die Prinzeſſin ein Befehl geweſen, dem ſie ſich nicht zu entziehen gewagt. Sie war in der Frühe des Morgens abgereiſt, und eine Stunde vor der von dem Prinzen zum Diner anbe⸗ raumten Zeit hielten die Equipagen vor dem neuen Palais an.
Der Prinz empfing ſeine Gemahlin in der großen Vorhalle des Frontgebäudes. Er ſchritt ihr mit einem lächelnden Gruß entgegen, reichte ihr, welche bleich und mit niedergeſchlagenen Augen ihm gegen⸗ überſtand, den Arm, und führte ſie die große breite Treppe hinauf, in⸗ dem er ſie aufmerkſam machte auf die Einzelheiten des Baues, und die Einrichtungen ihrer neuen Wohnung. Er ſprach laut und heiter, und ſchien abſichtlich langſam zu gehen, damit das ganze Gefolge, welches noch theilweiſe bei den Wagen beſchäftigt geweſen, ſich um das prinzliche Paar ſammele, und Zeuge des guten Einvernehmens ſein könne, welches zwiſchen dem Prinzen und ſeiner Gemahlin herrſchte.
Auf der letzten Stufe der Treppe angekommen, deutete der Prinz lächelnd nach den beiden Corridoren, welche ſich zu beiden Seiten der Treppe hinzogen. Hier Madame, ſagte er, beginnt die Scheidung unſerer Wohnungen, zu welcher die Treppen ſogar verſchiedene Wege hinauf⸗ führen. Ihnen gehört der rechte, mir der linke Flügel des Palais. Ich bitte Sie aber, mir zu erlauben, daß ich Sie heute auf Ihren Flügel begleiten, und Sie durch Ihre Gemächer führen darf, welche Sie von heute an als gebietende Herrin bewohnen werden.
Die Prinzeſſin warf einen fragenden, ſchüchternen Blick zu ihm em⸗ por. Sie war ſo überzeugt geweſen, daß ihr Gemahl eine Scheidung von ihr fordern werde, ſie hatte ihre Gedanken ſo ganz auf dieſe, wie ihr ſchien, einzig mögliche Löſung gerichtet, daß ſie vor den Worten des Prinzen wie vor einem ſchauerlichen Räthſel zurückbebte.
Vielleicht, ſagte ſie leiſe zu ſich ſelber, während ſie am Arm des Prinzen den langen Corridor hinunterging, vielleicht will er mich ermor⸗ den, wie es der Herzog von Orleans mit ſeiner Gemahlin gethan, weil ſie den Grafen Guiche liebte.


