— 166—
Die Trauung ward vollzogen, und noch in derſelben Stunde ver⸗ ließ das unglückliche junge Ehepaar Berlin, um niemals wieder dahin zurückzukehren, ſondern in der Einſamkeit und Stille des Landlebens hinzuſiechen in Reue, Schmerz und Selbſtverachtung.
XIV.
Die Entſcheidung.
Die drei Tage, welche der König ſeinem Bruder beſtimmt hatte, um nachzudenken, und einen entſcheidenden Entſchluß zu faſſen, waren ver⸗ floſſen. Prinz Heinrich hatte ſeinen Entſchluß gefaßt. Am Abend des zweiten Tages ſchon hatte er zwei Couriere abgefertigt. Den Einen nach Sans⸗ ſouci zum König, den Anderen nach Rheinsberg an ſeine Gemahlin. Er ſelber war in Berlin zurückgeblieben und hatte Beſitz genommen von dem neuen prachtvollen Palais, welches der König am Opernplatz, dem Opernhauſe gegenüber, für ſeinen Bruder hatte bauen und einrichten laſſen. 8
Er hatte ſeinen Haushofmeiſter beauftragt, ein glänzendes Diner zu veranſtalten, weil er zur Feier ſeines Einzuges in das neue Palais ſeinem Hofe und dem ganzen hoffähigen Berlin ein Feſt bereiten wollte.
Dieſes Feſt ſollte heute, an dem dritten Tage nach des Prinzen Unterredung mit dem König, ſtattfinden, und der Courier, welchen der Prinz am vorhergehenden Tage nach Rheinsberg geſandt, ſollte der Prin⸗ zeſſin Wilhelmine ein Schreiben bringen, in welchem ihr Gemahl ſie mit kurzen und förmlichen Worten, ganz in dem Styl eines gewöhnlichen Einladungsſchreibens, aufforderte, mit ihrem Hofe nach Berlin zu kom⸗


