Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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ab, um ſich wieder auf den Divan zu ſetzen. Die beiden Männer ſtan⸗ den vor ihr, der Eine wie ein zerbrochenes Rohr, zitternd, zurückgelehnt an die Wand, der Andere ſtolz aufgerichtet, frei und im vollen Bewußt⸗ ſein ſeiner Würde.

Ich ſagte, daß ich nicht daran gedacht haben würde, fuhr Lord Elliot fort, mich um einer herzloſen Thörin willen mit einem hirnloſen Gecken zu ſchlagen. Aber dieſer Geck hatte etwas Anderes verſchuldet, er war nicht bloß der Verführer meiner Frau, ſondern er war der Ver⸗ faſſer eines ſchmachvollen und beleidigenden Briefes, den Madame die Unverſchämtheit gehabt, mir zu ſchreiben.

Woher wußten Sie, daß er dieſen Brief geſchrieben? fragte Camilla.

Daher, Madame, daß Sie nicht im Stande ſind, auch nur einen ſolchen Brief zu ſchreiben! Ich erlaubte mir aus Ihrem Schreibtiſch da, Madame, das Original dieſes Briefes zu nehmen, und mit dieſem Original bewaffnet, wollte ich den beau cousin aufſuchen, um ihn wegen ſeiner Frechheit zur Rechenſchaft zu ziehen. Ein früherer Freund dieſes ſchönen Herrn, der Lieutenant von Kaphengſt, begleitete mich, denn Sie begreifen, wenn man mit ſolchem Herrn, wie dieſer da, zu verhan⸗ deln hat, muß man Zeugen haben, ſonſt leugnet er nachher die ganze Sache oder verwechſelt die Rollen. Wir fanden den Herrn von Kindar

nicht daheim, er war nach Mecklenburg verreiſt. Ohne Zweifel ahnte er nicht, daß ich nach Berlin gekommen war, nur um ihn aufzuſuchen, denn ſonſt würde er gewiß die Courtoiſie gehabt haben, zu bleiben und meinen Beſuch zu erwarten. Meine Sehnſucht nach ihm war aber ſo groß, daß ich ſeine Rückkehr nicht abwarten mochte. Ich verfolgte ſeine Spur wie eine zärtlich Liebende, wie Herr von Kindar die Ihre verfolgt hat, Madame. Endlich in dem Gaſthof einer kleinen Stadt hatte ich das Glück, ihn zu treffen. Er hatte, wie alle ſchwärmeriſche Liebende, die Einſamkeit geſucht und ſogar alle Zimmer des kleinen Hötels für ſich gemiethet, um ſicher zu ſein, in ſeinen ſüßen Träumen nicht geſtört zu werden. Aber ich war dreiſt genug, dennoch zu ihm zu gehen und ihm Degen und Piſtolen mitzubringen, um ihm die Wahl zu laſſen, mit welcher Waffe er ſich mit mir meſſen wollte. Herr von