Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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gewiß immer nur die wichtigſte Rolle ſpielen kann, ſo meint er gewiß mich ſehr zu ehren, daß er mir ſeine Handlungen unterſchiebt. Dies Mal aber wünſche ich nicht mit ihm verwechſelt zu werden, und ich werde Ihnen daher einige kleine Fehler in ſeiner Erzählung corrigiren müſſen.

Reden Sie, reden Sie, Mylord, ſagte Camilla athemlos, die Blicke ſtarr auf ihren Liebhaber gerichtet.

Da Sie es mir gnädigſt erlauben, Madame, will ich Ihnen die Geſchichte unſerer Hetzjagd erzählen. Zuerſt aber muß ich mich in Ihren Augen von einem Verdacht reinigen, Madame. Von dem Verdacht näm⸗ lich, als habe ich Herrn von Kindar zum Duell gefordert, weil er der Liebhaber meiner Frau geweſen. Nein, Madame, das war ein Zufall, weiter nichts. Dieſer Herr war zufällig der Erſte, welcher dem liebe⸗ ſehnenden Herzen meiner Frau entgegentrat, und ſo nahm ſie ihn, weil er eben da war. Er wird aber nicht der Letzte ſein! Es geſchah nicht aus Eiferſucht, daß ich den beau cousin verfolgte. Ich bin ein Sohn dieſer aufgeklärten Zeit, das heißt, ich bin Philoſoph genug, um

die Vorurtheile der alten Zeit zu verachten und nicht gleich den Himmel ſtürmen zu wollen, weil meine Gemahlin ſich einen Liebhaber hält. Vielleicht wäre ich es würdig geweſen, einem edeln Weibe zu begegnen, welches mich durch ihre Liebe beſeligt hätte. Da ich aber nur an eine kleine herzloſe Närrin verheirathet war, ſo wäre es thöricht geweſen, mir um ihretwillen mit einem hirnloſen Gecken den Hals zu brechen.

Ah, Couſin, rief Camilla außer ſich vor Zorn, indem ſie zu Herrn von Kindar hinſtürzte und ihre beiden Hände auf ſeine Schultern legte, ſo reden Sie doch! Hören Sie denn nicht, daß dieſer Mann wagt, Sie und mich auf das tödtlichſte zu beleidigen?

Herr von Kindar murmelte einige leiſe, unverſtändliche Worte und machte eine Bewegung, als wollte er Camillens Hände von ſeinen Armen fortſchütteln.

Er hört es wohl, ſagte Lord Elliot, aber er iſt höflich genug, zu ſchweigen, da ich reden will! Er wird auch die Güte haben, mich noch länger ſchweigend anzuhören!

Camilla ließ ihre Hände langſam von dem Arm Kindars herab⸗ gleiten und wandte ſich, zähneknirſchend vor zornigem Schmerz, von ihm