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Kindar wollte weder Degen noch Piſtolen nehmen, und da griff ich denn zu meiner dritten Waffe, zu meinem Stock. O, es war ein ſchönes Bambusrohr und es zerſprang nicht, obwohl ich herzhaft auf den Rücken des ſchönen Cavaliers einhaute. Ja, Madame, ich ſchlug ihn, wie man einen Hund ſchlägt, der ſich unterſtehen will, ſeinem Herrn nicht zu folgen, ich ſchlug ihn ſo lange, bis er um Gnade bat!
Das iſt nicht wahr, das iſt eine Lüge! ſchrie Camilla außer ſich.
Lord Elliot hob langſam den Arm und deutete auf Herrn von Kindar hin. Fragen Sie ihn doch, Madame, ob es eine Lüge iſt, was ich da geſagt habe?
Camilla wandte ſich lebhaft zu ihm, aber wie ſie ihn anſah, fühlte ſie, daß es keiner weiteren Frage bedürfe. Herr von Kindar lehnte bleich, mit ſchlotternden Knieen, ein widriges Bild der feigen Angſt, des zitternden Entſetzens, an der Wand. Camilla ächzte laut auf und wandte ihre Blicke mit einem Ausdruck unausſprechlichen Widerwillens von ihm ab und wieder zu ihrem Gemahl hin. Zum erſten Mal heute fand ſie, daß ihr Gemahl durchaus nicht ſo häßlich ſei, wie ſie früher gemeint, zum erſten Mal imponirte er ihr durch ſeine hohe, ſtolze Haltung, durch den Geiſtesadel und die männliche Würde, welche über ſeine ganze Er⸗ ſcheinung ausgebreitet war. Sie hatte ihn immer nur als zärtlichen, weichen Liebenden geſehen, jetzt zum erſten Mal ſah ſie ihn als ſtrengen, zürnenden Mann, und ſo gefiel er ihr— beſſer als Kindar, der ſonſt ſo ſchön geweſen und heute ſo häßlich ausſah.
Reden Sie weiter, murmelte Camilla leiſe, indem ſie ganz zerbrochen in die Kiſſen zurückſank.
Ich ſchlug den beau cousin ſo lange, bis er einwilligte, ſich mit mir zu ſchießen, fuhr Elliot fort. Wir hatten indeß unſere zärtliche Wiedererkennungsſcene ein wenig zu laut geſpielt, ſo daß die Leute des Hotels ein Unglück fürchteten und zur Rettung hereinſtürzten, und dann, gleichſam zur Schutzwehr des ſchönen Herrn da, bei ihm blieben. Wir beſchloſſen alſo, das Duell bis am andern Morgen zu vertagen, aber — am andern Morgen war der beau cousin abgereiſt. Ohne Zweifel hatte er unſere Verabredung vergeſſen, und vielleicht trug die Sehnſucht nach Ihnen, Madame, die Schuld daran, denn er war gerades Weges
Mühlbach, Friedr. d. Gr. u. ſ. Geſchw. 2. Abthl. III. 11
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