Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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zen und unſerm Unglück. Indem Sie uns zu beklagen ſcheinen, fühlen ſie doch ein inniges Behagen, indem ſie eine Thräne des Mitgefühls zu zerdrücken ſcheinen, frohlockt ihr Herz, und das um ſo mehr, wenn Der⸗ jenige, welcher leidet, ein Fürſt iſt! Es thut den Menſchen wohl, daß das Schickſal, welches uns eine Ausnahmeſtellung gegeben, uns doch nicht ausgenommen hat von den gewöhnlichen Leiden der Menſchen, und daß wir weinen, darben und entbehren müſſen, wie der Geringſte der Menſchen. Noch giebt es Niemand, Heinrich, der das Recht hat, Sie zu bemitleiden oder ſich über Ihr Unglück zu freuen, Niemand, der das Recht hat, Sie zu verhöhnen, weil Sie die göttliche Dummheit der Engel beſeſſen, an die Liebe zu glauben und der Freundſchaft zu ver⸗ trauen!

Sie verweigern mir alſo meine Bitte? fragte der Prinz lebhaft. Sie wollen nicht in meine Scheidung willigen, nicht den Verräther be⸗ ſtrafen?

Nein, ich verweigere Ihnen Ihre Bitte nicht, aber ich bitte Sie, noch drei Tage lang Ihre Forderung zurückzunehmen und zu überlegen, was ich Ihnen geſagt habe. Wenn Sie nach drei Tagen noch derſelben Meinung ſind und hierher kommen, um mir dieſelbe Bitte vorzutragen, dann werde ich ſie erfüllen. Das heißt, ich werde Sie öffentlich und gerichtlich von Ihrer Gemahlin ſcheiden laſſen, ich werde den Grafen Kalkreuth als einen Ehebrecher beſtrafen und werde den Menſchen das Recht geben, ſich zu Tode zu lachen über den Helden von Freiberg, den ſeine Gemahlin zu einem Hahnrei gemacht und deſſen ruhmgekröntes Haupt ein verrätheriſcher Freund mit einem gar ſeltſamen Schmuck ver⸗ ſehen hat. Wenn Sie das wollen, ſo kommen Sie, wie geſagt, nach drei Tagen wieder hierher und wiederholen Sie Ihre Forderung. Ich gebe Ihnen mein königliches Wort, daß ich bewilligen werde, was Sie nach drei Tagen von mir bitten wollen.

Es iſt gut, Sire, ſagte der Prinz gedankenvoll. Ich werde kom⸗ men, Sie an das Verſprechen zu mahnen, und ich bitte Sie, mich jetzt zu entlaſſen, denn Sie ſehen wohl, ich bin heute nicht würdig, der Ge⸗ ſellſchafter von Sansſouci zu ſein; ich bin ein armer kranker Mann und weiß nichts von Philoſophie!

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