Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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auch mir zuſchreiben wollen, ſo zeigt das eben, daß Ihr Blick umdüſtert iſt und nicht klar zu unterſcheiden vermag. Ich habe den Krieg nicht leichtſinnig begonnen, ſondern ich habe ihn über mich genommen als eine ſchwere Laſt. Er hat aus mir einen alten Mann gemacht, die Kraft meines Lebens vor der Zeit aufgezehrt. Ich ſehe alle ſeine ſchlimmen Folgen und ich habe es mir zu einer heiligen Aufgabe gemacht, dieſe Wunden meines Landes, welche der Krieg ihm geſchlagen, zu heilen. Ich arbeite daran Tag und Nacht, ich habe dieſem Beſtreben alle meine Gedanken hingegeben und meine perſönlichen Neigungen zum Opfer dar⸗ gebracht. Aber ich muß mich vorläufig darauf beſchränken, die Wunden zu verbinden, ich kann das Unglück und die Noth nicht verſchwinden machen, nicht ſogleich es in Glück verwandeln. Wollen Sie mich des⸗ halb zur Rechenſchaft ziehen, mein Bruder?

Ah, Sire, Sie wollen von der Frage abweichen, und ſtatt auf mein beſonderes Unglück einzugehen, ſprechen Sie von dem allgemeinen. Nicht deshalb will ich Sie zur Rechenſchaft ziehen, ſondern deshalb, daß Sie mich gezwungen haben, eine Gemahlin zu nehmen, ein Weib, wel⸗ ches ich nicht kannte und welches mich nicht kannte, ein Weib, welches mich zum unglücklichſten Menſchen gemacht hat, welches meine Ehre ge⸗ kränkt und mein Herz verrathen hat. O, Sire, Sire, was haben Sie gethan? Sie haben mir eine Gemahlin gegeben, welche mich jetzt um Alles betrogen hat, was ich auf Erden geliebt und hochgehalten habe, denn ſie nahm mir das Weib, welches ich liebte und den Freund, dem ich wie einem Bruder vertraute!

Und mit einem lauten Aechzen ſchlug der Prinz ſeine Hände vor ſein Angeſicht und weinte laut.

Der König ſtand neben ihm mit bleichem, traurigem Angeſicht. Ar⸗ mer Bruder, ſagte er leiſe, Du duldeſt ein wenig von den Qualen, die ich geduldet habe, ehe mein Herz ſo verhärtet ward, wie es jetzt iſt. Ja, ja, es iſt ein furchtbarer Schmerz, den Freund verachten zu müſſen, dem man vertraute, verrathen zu werden von Denen, welche man liebt. Ich habe das Alles auch erduldet! Der Menſch in mir hat viel gelitten, ehe er ſein ganzes Daſein hingeben konnte an den König.

Sire, ſagte der Prinz, indem er mit einer raſchen Bewegung die