Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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ſah überall nur lächelnde, freudige Geſichter, und dort, dort nahte er ſich ihr, der Gemahl, der Prinz! Mit einem heitern, unbefangenen Lächeln ſchritt er auf ſie zu, und nicht achtend der Etiquette und der Ge⸗ ſellſchaft, ſchloß er die Prinzeſſin lebhaft in ſeine Arme und küßte ſie zärtlich auf beide Wangen.

Prinzeſſin Wilhelmine zuckte zuſammen in tödtlichem Schreck und ein zorniger Unmuth regte ſich in ihr. Hätte ſie den Prinzen geliebt, ſo würde dieſe öffentliche und ungenirte Demonſtration ſeiner Zärtlichkeit ſie vielleicht entzückt, oder ſie würde ſie jedenfalls verziehen haben; ſo aber empfand ſie dieſe beiden ſchallenden Küſſe nur als eine Beleidigung, als eine Geringſchätzung, welche zu dulden nur der Zwang der Ehe ihr auferlegen konnte und für welche ſie ſich ſelber gelobte, Rache zu nehmen.

Prinz Heinrich war ſo unbefangen in ſeiner Freude, ſo glücklich, ſeine Gemahlin endlich wiederzuſehen, daß er ihr verlegenes Schweigen, ihre zurückhaltende Kälte gar nicht bemerkte, ſondern arglos überzeugt war, daß ſie ſeine Freude und ſein Entzücken theile.

Der Prinzeſſin erſchien dieſe Zuverſicht ſehr anmaßend und ver⸗ letzend, und ſie fand, daß der Prinz aus ſeinen Feldzügen ſehr ſchlechte und bürgerliche Manieren mit heimgebracht, welche ſehr die Lorbeeren auf ſeiner Stirn verdunkelten.

Er nahm ganz vertraulich in echter Ehemannsart ihre Hand und geleitete ſie zu dem Divan, um ſich neben ihr niederzulaſſen; dann auf einmal ſprang er wieder empor, um ſie zu verlaſſen, und nach wenigen Minuten mit ſeinem Freunde, dem Grafen Kalkreuth an der Hand, zu der Prinzeſſin zurückzukehren.

Erlauben Sie mir, meine geliebte Wilhelmine, ſagte der Prinz, Ihnen ſogleich auch meinen theuern Freund und Waffengefährten wieder zuzuführen. Die Menſchen ſagen, daß ich mir ein wenig Ruhm erwor⸗ ben, aber ich verſichere Sie, wenn dem ſo iſt, ſo hat Kalkreuth den größten Antheil daran, und er iſt der Gärtner geweſen, der mit geſchickter und kluger Hand meine Lorbeeren gepflegt hat. Ich empfehle ihn daher Ihrer Freundſchaft und Güte, Wilhelmine, und ich bitte Sie, auf ihn