Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

——

welches bang und angſtvoll der kommenden Stunde entgegenklopfte; das war das Herz der Prinzeſſin Wilhelmine. Sie war herrlich ge⸗ ſchmückt, Brillanten funkelten auf ihrer Stirn und um ihren Hals, an ihrem vollen, wogenden Buſen prangten ſüß duftende Roſen, ein Lächeln ſpielte um ihre purpurrothen Lippen; aber Niemand wußte, was dieſes Lächeln ihrer geängſteten Seele koſtete. Niemand ahnte, daß dieſes Roth, welches auf ihren Wangen brannte, nicht von dem Herzklopfen der Freude, ſondern der Angſt hervorgerufen worden.

Ja, ſie ängſtigte ſich! Sie ängſtigte ſich vor dieſem Wiederſehen mit dem Prinzen, den ſie empfangen ſollte als ihren geliebten Gemahl und der ihr in dieſen ſieben langen Jahren der Trennung ganz und gar ein Fremder, Unbekannter geworden, mit dem ſie keine Sympathieen, mit dem ſie nicht einmal die Gewohnheiten des täglichen Lebens verbanden, der ihr niemals etwas Anderes geweſen, als der von dem harten Geſetz der Convenienz ihr aufgedrungene Gemahl, welcher einſt ſie ſogar ver⸗ ſchmäht und ihr ſchüchternes, geängſtetes Herz, welches vielleicht bereit geweſen, ihm entgegen zu flattern, von ſich gewieſen hatte!

Und dieſen fremden, ungeliebten Mann ſollte ſie jetzt mit allen Zeichen der Liebe empfangen, weil er eines Tages die Laune gehabt, die Prinzeſſin, welche er früher gar nicht beachtet hatte, ſeiner Beachtung, ſeiner Liebe werth zu finden. Jetzt ſollte es ihre Pflicht ſ ſein, ihn dafür wieder zu lieben und ihm die reichen Schätze dieſes Herzens zu weihen, das er früher nicht des Begehrens werth gefunden.

Ihre Seele bäumte ſich empor bei dieſem Gedanken wie eine belei⸗ digte Löwin, und ſie empfand etwas von dem glühenden Haß, den die Löwin gegen ihren Herrn empfinden mag, der ſie bändigen will mit der eiſernen Ruthe der Pflicht.

Für ſie war der Prinz nichts weiter, als nur ihr Herr, der ſie in Banden geſchlagen, der mit eiſernen Fäuſten ihr Herz feſthielt, damit es nicht entflattern könne..

Und es regte doch ſo mächtig ſeine Schwingen, es hatte jetzt in dieſen ſieben Jahren der Freiheit den ganzen, friſchen, kühnen Flügel⸗ ſchlag ſeiner Jugend wiedergefunden, es glühte und brannte von einem