Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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licher in allen ſeinen Unternehmungen, als Friedrich, vielleicht auch be⸗ ſonnener und ruhiger, hatte er immer die rechte Stunde erwählt, um den Feind anzugreifen, war er immer und überall mit ſeinem Heer zur rechten Zeit bereit geweſen, und ſeine klug berechneten Märſche, ſeine energiſche Entſchloſſenheit, ſeine beſonnene Ueberlegenheit hatten mehr als einmal den König aus den ſchwierigen und gefahrvollen Situationen erlöſt, in welche ein allzukühges Vorgehen, oder eine irrige Anſicht der Dinge den König verwickelt hatte. Nur dem meiſterhaften Marſch, durch welchen Prinz Heinrich nach der Schlacht bei Kunersdorf ſeine Armee mit der ſeines Bruders zu vereinigen gewußt, verdankte es der König, daß er damals ſeinen Feinden, welche ihn umzingelt hatten, entgehen konnte, und dem großen und glänzenden Sieg, welchen Prinz Heinrich bei Freiberg über die Reichstruppen und die Oeſterreicher errang,*) verdankte man zunächſt den glänzenden und ehrenvollen Frieden. Denn dieſe Schlacht bei Freiberg brach endlich den kecken Uebermuth der Oeſter⸗ reicher, und erfüllte die Feldherren der Reichstruppen mit einem ſo pa⸗ niſchen Schrecken, einer ſo vollkommenen Entmuthigung, daß ſie erklärten, nicht ferner an dieſem Kriege Theil nehmen zu wollen, ſondern mit ihren Schaaren heimkehrten in ihre Länder.

Die Schlacht bei Freiberg war die letzte Schlacht des ſiebenjährigen Krieges; ſie brachte dem Prinzen Heinrich eben ſo ſchöne, ſo unvergäng⸗ liche Lorbeeren, wie der König ſie bei Liegnitz und bei Torgau errungen, ſie ſtellte ihn ſeinem Bruder ebenbürtig zur Seite. Der König ſah das ohne Neid und ohne Bitterkeit; mit der Ruhe einer wahrhaft großen Seele freute er ſich des Ruhms und der Lorbeeren ſeines Bruders. Als er nach dem ſiebenjährigen Kriege zum erſten Male im Schloſſe zu Berlin die Prinzen und die Generäle um ſich verſammelt hatte, ging er mit einem heitern Lächeln zu ſeinem Bruder hin, und ihm ſanft die Hand auf die Schulter legend, ſagte er laut: Sehen Sie da, Meſſieurs, dies i*ſt der Einzige von uns Allen, welcher während des ganzen Krieges nicht einen einzigen Fehler begangen hat!

Sieben Jahre waren vergangen, ſeit Prinz Heinrich ſeine junge

**) Die Schlacht bei Freiberg fand am 29. October 1762 ſtatt.