Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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Kapelle aufgeſtellten Seſſel Platz genommen, richtete er den raſchen, feurigen Blick zu dem Chor empor und winkte mit der Hand hinauf.

Benda hob ſeinen Taktſtock und gab das Zeichen anzufangen und jetzt brauſte der Strom der Harmonieen in gewaltigen Jubelklängen durch die Kirche hin, jetzt ſetzte die Orgel mit ihren mächtigen, majeſtä⸗ tiſchen Tönen ein, die Pauken fuhren mit ihrem Donner darein, die Po⸗ ſaunen ſtimmten ihren ſchmetternden Jubelgruß an, und die zarten und ſchmelzenden Klänge der Violinen und Flöten miſchten ſich darein.

Der König lauſchte mit emporgehobenem Haupt und geſpannten Mienen auf dieſe ſchöne und melodieenreiche Introduction. Er ſchien ganz Ohr zu ſein und ohne alle Nebengedanken nur dem Anhören dieſer Muſik, welche für ihn eine noch ganz neue, unbekannte war, ſich hinzu⸗ geben.— Jetzt, mit einem gewaltigen Accord, mit einer überraſchenden, kraftvollen Wendung verbanden ſich plötzlich mit den Klängen der In⸗ ſtrumentalmuſik die lauten, jubelnden Menſchenſtimmen, und der Sänger⸗ chor ſang im Uniſono ſein Te Deum laudamus weitſchallend dahin.

Der König erblaßte, und wie der Geſang mächtig und voll immer weiter tönte und rauſchte, ſenkte das emporgerichtete Haupt des Königs ſich allgemach nieder, und auch ſeine großen, glänzenden Augen neigten ſich niederwärts.

Weiter jubelte und tönte der Geſang, und aus dem vollen ſchmet⸗ ternden Chor hob ſich ein einzelner, ſanft ſchmelzender Tenor und ſang mit ſüßer, rührender Stimme: Tuba mirum spargens sonum!

Der König ſenkte ſein Haupt tiefer auf ſeine Bruſt, und endlich, nicht mehr im Stande ſeine Thränen zurückzuhalten, legte er ſeine Hand über ſein Angeſicht. 3

Der Geſang tönte weiter; majeſtätiſch rauſchten die Klänge durch die einſame Kirche dahin, welche bis jetzt wie in graue Dämmerung gehüllt geweſen. Aber auf einmal drang die Sonne, die vorher von Wolken verhüllt war, mit ihren glänzenden Strahlen durch die Fenſter ein und erleuchtete den ganzen Raum mit goldigem Glanz. Der König, der bis dahin im Schatten geſeſſen, ſchien plötzlich wie in ein Meer von Licht getaucht, und Jedermann ſah jetzt, wie er gebeugten Hauptes da ſaß, das Antlitz in ſeine Hände verhüllend, und Jeder⸗