Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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Kriegsweisheit und der Tapferkeit meiner Truppen zu verdanken habe.*) Der Zufall iſt mein beſter Bundesgenoſſe während dieſes ganzen Krieges geweſen, ohne ihn wäre ich nimmermehr aus dem Hungerlager bei Bun⸗ zelwitz herausgekommen, ohne ihn würde ich nimmermehr zum Siege über meine Feinde gelangt ſein. Sprechen Sie mir alſo nicht mehr von meinem Ruhm, Marquis, wenigſtens nicht hier in dieſen geheiligten Räumen, nicht hier, wo Cicero und Cäſar, Lukrez und Thucydides von den Wänden zu uns herniederſchauen, und wo die Bücher dort mit gol⸗ denen Lettern ihres Titels uns verkünden, daß die größten Geiſter aller Zeiten um uns verſammelt ſind! Sprechen Sie mir nicht von meinem Ruhm, wenn ich dort auf jenem Bücherrücken den NamenAthalie bis zu mir herüberleuchten ſehe! Ich will Ihnen etwas ſagen, Mar⸗ quis: ich würde mich ſtolzer und glücklicher fühlen, wenn ich Athalie ge⸗ dichtet hätte, als ich mich über den ganzen Ruhm dieſes Krieges fühle.*s)

Daran erkenne ich den weichen, edlen Sinn meines Königs, rief d'Argens tief gerührt. Die Jahre der Schlachten und der Siege haben ihn nicht geändert, und der ſiegreiche Held iſt immer noch der weiſe Philoſoph geblieben! Ich wußte es wohl, ich kannte das ſchöne Herz meines Königs, und wußte, daß er nicht die Tage ſeiner blutigen Siege als die herrlichſten betrachtete, ſondern daß er den Tag, an welchem er ſeinem Volk ruhmvollen und ſiegreichen Frieden gab, daß er dieſen Tag den ſchönſten Tag ſeines Lebens nennen würde!

Der König ſchüttelte leiſe ſein Haupt und heftete ſeine Blicke mit dem Ausdruck unendlicher Trauer auf des Freundes erregtes Angeſicht.

Ach, mein Freund, ſagte er leiſe, der ſchönſte Tag des Lebens iſt der⸗

jenige, an dem man es verläßt.*)

Und wie er jetzt das Auge wieder von dem Freunde abwandte, ſiel ſein Blick ganz zufällig auf die große Vaſe von japaniſchem Porzellan, welche dort neben ſeinem Schreibtiſch auf einem Marmorſockel ſtand.

*) Des Königs eigene Worte. Siehe: Oeuvres posthumes de d'Alembert. Vol. I. p. 197. 4 *) Des Königs eigene Worte. *.) Des Königs eigene Worte.