— 14—
mit dieſer Königin, welche da lebensvoll und heiter vor ihm ſtand, wäh⸗ rend die andere, die geliebtere Königin hinabgeſtiegen war in die öde, kalte Gruft.
Mit einem kühlen Gruß nahm er einen kurzen Augenblick die beiden Hände der Königin in ſeine Rechte. Madame, ſagte er, dies iſt ein trauriges Wiederſehen für uns Beide, denn die Königin, meine Mutter fehlt an Ihrer Seite!
Die Königin zuckte ſchmerzlich zuſammen, und ließ ihre Hände, welche der König jetzt wieder losgelaſſen, kraftlos und matt an ihrer Seite nie⸗ dergleiten. Dieſe ſo harten und grauſamen Worte des Königs hatten ihr Herz wie ein Dolchſtoß getroffen, und die Freudenthränen, welche in ihren Augen ſtanden, in Thränen des Schmerzes verwandelt.
Die Königin hatte nicht die Kraft ihrem Gemahl zu antworten; Prinzeſſin Amalie that es für ſie.
Wenn mein Bruder, ſagte ſie, indem er uns begrüßt, nicht uns ſieht, ſondern nur Diejenigen, welche nicht da ſind, ſo wird er neben den Prinzen vor allen Dingen auch meinen unglücklichen Bruder Auguſt Wilhelm ſehen, welcher ebenſo wie unſere Mutter geſtorben iſt vor Gram!— Der König ließ einen Moment ſeine großen, feurigen Augen mit einem ſeltſamen, wehmüthigen Ausdruck auf dem von Krankheit imd Schmerz durchwühlten Antlitz der Prinzeſſin ruhen.
Nein, meine Schweſter, ſagte er dann mit ſeinem weichen, ſanften Lächeln, ich ſehe nicht blos Diejenigen, welche nicht da ſind, ſondern auch Diejenigen, welche mir geblieben ſind, und ich freue mich, Sie, meine Schweſter, heute wieder begrüßen zu können.
Er reichte ihr freundlich die Hand dar, und dann die Hofgeſellſchaft mit einem ſtummen Neigen des Kopfes begrüßend, ſchritt er ſchweigend an ihnen vorüber, und trat in ſeine Gemächer ein, gefolgt allein von dem Marquis d'Argens, dem er durch einen ſtummen Wink ſeiner Hand befohlen hatte, ihm zu folgen.
Die erſten Zimmer durchſchritt der König raſch, kaum einen flüch⸗ tigen Blick auf die neuen Gemälde werfend, welche die Wände zierten, und die Gotzkowsky im Auftrage des Königs erſt jüngſt von Italien heimgebracht. Aber wie er jetzt in ſein Studirzimmer trat, wie er die


