Man hatte ſie zum Empfang des Königs gleichſam in einen Tempel
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ßen, ſondern um ſie über ſein Antlitz zu legen, und indem er es that, hörte der Marquis ihn ſeufzen:„oh meine Mutter! Meine Schweſter!“
Das Volk begrüßte mit lautem Jubel den König, welcher ihm wie⸗ derkehrte; aber der König begrüßte in dieſem Moment mit tiefem Schmerz⸗ gefühl nur Diejenigen, welche ihm niemals wiederkehrten, welche der Tod ihm auf ewig entriſſen hatte!
Weiter ging es durch die feſtlich erleuchteten Straßen, durch die Reihen des jubelnden Volkes dahin. Alle Einwohner Berlins ſchienen ſich auf dem Wege des Königs zuſammen zu drängen, Jeder wollte dem heimkehrenden Helden ſein Vivat entgegenjauchzen!
Es war ein unermeßlicher Triumph, wohl im Stande ſelbſt das Herz eines Königs mit ſtolzer Freude zu erfüllen, denn man konnte an dieſen freudeſtrahlenden Geſichtern, an dieſem aus voller Bruſt tönenden Jubelgeſchrei ſehr wohl erkennen, daß dies kein officieller, befohlener, ſondern ein aus dem Herzen kommender Empfang ſei.— Berlin jauchzte ſeinem Helden entgegen, es ſah nicht, daß dieſer kein Auge, keinen Blick mehr für ſein Volk hatte. Die Dunkelheit hatte ihren düſteren Schleier über das traurige Antlitz gelegt, und Niemand ahnte, daß der König, den man jubelnd durch die Straßen geleitete, in dieſer Stunde nur ein weinender Sohn, ein trauernder Bruder war.
Endlich lag dieſe in Glanz und Freude ſtrahlende Stadt hinter ihnen, und der Wagen rollte auf der düſteren Allee durch den Thier⸗ garten nach Charlottenburg. Allmählig erſtarb hinter ihnen das Schreien und Jauchzen, und eine wohlthuende Stille umgab ſie jetzt. Der König ſprach noch immer nicht; Niemand wagte daher dieſes melancholiſche Schweigen zu unterbrechen. Der Triumphzug des Königs ſchien ſich jetzt in einen Trauerzug verwandelt zu haben, der Sieger ſo vieler Schlachten ſchien nun von ſeinen Erinnerungen beſiegt zu ſein.
Jetzt hielt der Wagen vor dem erleuchteten Schloß zu Charlotten⸗ burg, deſſen weiter Vorhof mit den Bewohnern des kleinen Städtchens angefüllt war, die den König ſo enthuſiaſtiſch begrüßten, wie die Berliner es gethan. Der König grüßte ſie mit einem raſchen Winken der Hand, und trat dann ſchnell in die Vorhalle des Schloſſes ein.


