giſche und kühne Artikel, daß der Zorn der feindlichen Sieger dadurch auf's Höchſte gereizt ward, und die Verfaſſer dieſer Artikel nur mit Mühe
ſchmachvoller Strafe entgehen konnten.*)
Aber alle dieſe Noth und dies Unglück war jetzt vergeſſen; man ſah in Berlin heute nur freudige Geſichter, nur Lächeln und Heiterkeit. Die ganze Stadt ſchien unter den Sonnenſtrahlen des Glücks aufzu⸗ athmen, und es ſchien heute Niemand zu leiden, Niemand zu trauern. Und doch waren unter den achtundneunzigtauſend Einwohnern von Berlin über dreißigtauſend Menſchen, welche wöchentlich Almoſenbrod em⸗ pfingen, ſo daß faſt der dritte Theil ſeiner Einwohner Almoſenempfän⸗ ger war.**)
Aber heute hungerte man nicht und durſtete man nicht, heute gab es keine leibliche Noth, heut war Jeder frohen Herzens und lächelnden Angeſichts. Der König wollte heute endlich nach ſieben Jahren der Ab⸗ weſenheit wieder nach Berlin zurückkehren, nachdem die königliche Familie ſchon vor einigen Tagen, von Magdeburg kommend, daſelbſt eingetrof⸗ fen war.
Jedermann war daher auf die Straße hinausgeeilt, um den König zu ſehen, der bei ſeinem Auszug aus Berlin ſchon der Heldenkönig Preußens geweſen, und der jetzt wiederkehrte als der Heldenkönig Eu⸗ ropa's, dem alle Völker zujauchzten, deſſen Name in der Tartarei und in Afrika, in allen Theilen der civiliſirten und unciviliſirten Welt mit Bewunderung und Staunen genannt ward.**)— Auf allen Straßen war ein freudiges Gewoge. Alles drängte dem Frankfurter Thore zu, durch welches der König ſeinen Einzug halten mußte. Dort hatte man den größten der Triumphbogen, mit denen übrigens alle Straßen Berlins
*) Wenn ich mich hier mit dieſen kurzen Andeutungen über Berlin und die Berliner während des ſiebenjährigen Krieges begnügen muß, ſo habe ich dieſe Zeit um ſo ausführlicher in einem früher erſchienenen Roman,„Johann Gotz⸗ kowsky, der Kaufmann von Berlin“(drei Bände), behandelt, und darf dieje⸗ nigen meiner Leſer, welche ſich dafür intereſſiren, un dieſes Buch verweiſen.
**) Preuß. Friedrich der Große. Th. II. S. 348.
e) Napoleon ſagt in den Memoiren ne Kammerherrn Las Caſas: „Nicht das preußiſche Heer hat ſieben Jahre lang Preußen gegen die drei größ⸗ ten Mächte Europa's vertheidigt, ſondern Friedrich der Große.“
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