Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 3. Band (1859)
Entstehung
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bald vernarben zu ſehen, denn es war, wie geſagt, kraft, es war moraliſch gewachſen während dieſer Jahre des Krieges, es war groß geworden unter deſſen Dra gſalen, und ſtellte ſich jetzt in die Reihe der Großmächte als die ju

lebensvollſte. Die Lorbeeren, welche das Ha warfen ihren Strahlenglanz über ganz Preußen hin, unter dieſem Sonnenſchein des Ruhms mußten die Wunden der Vergangenheit bald ſich ſchließen, die Geneſung bald mit roſigem Lächeln daher kommen, in ihrem Gefolge Wohlſtand und Glück mit ſich führend.

Dieſe freudige Ueberzeugung, dieſes vielleicht unbewußte Gefühl durchdrang Aller Herzen, und darum trocknete man, ſobald die Kunde von dem abgeſchloſſenen Frieden ſich verbreitete, allüberall in Preußen die Thränen aus den Augen, darum riß man die Trauerflore von den Armen, um ſie in Vivatbänder zu verwandeln, und damit dem König und dem heimkehrenden Heer ſeine freudigen Grüße entgegen zu winken.

Und deshalb hatte heut Berlin nach langen Jahren der Trauer wieder eine Feſttagsmiene angenommen, deshalb vergaß es heut alle ſeine vergangenen Leiden, all ſein Unglück und ſeine Noth, weil es nun hoffen durfte auf die Zukunft und auf das Glück. Berlin durfte es wagen mit heiterem Lächeln und reinem Gewiſſen ſeinem König gegenüber zu treten, denn es hatte ſich treu und tapfer bewährt in den Zeiten der Gefahr, es hatte ſich niemals kleinmüthig unterworfen, es hatte niemals, wie Königsberg das gethan, den ſiegreichen Feind, den es in ſeinen Mauern ſah, als ſeinen berechtigten Herrn anerkannt, und ſich ihm in Untertha⸗ nenpflicht gebeugt. Die Oeſterreicher und die Ruſſen waren Sieger ge⸗ weſen der Mauern und Straßen Berlins, aber den treuen und uner⸗ ſchütterlichen Muth ſeiner Bewohner hatten ſie nicht zu beſiegen gewußt. Ueberall hatte man ihnen einen trotzigen, unbeugſamen Widerſtand ent⸗ gegengeſetzt, und wenn in Königsberg die Prediger von den Kanzeln ſogar für die Kaiſerin von Rußland, als für ihre Kaiſerin und Herrin, beten konnten, ſo beteten ſie in Berlin nicht nur von allen Kanzeln wäh⸗ rend der Anweſenheit der Feinde für die Wohlfahrt und das Glück des Königs, ſondern die Voſſiſche und die Spenerſche Zeitung, welche in Berlin das Organ der öffeutlichen Meinung geweſen, enthielten ſo ener⸗