Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1859)
Entstehung
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und unter dem Sattel geziert mit einer Purpurdecke, die mit Edelſteinen und ächten Perlen geſtickt war.

Des Königs Augen glänzten vor Freude, und wie er lebhaft jetzt das Zelt durcheilte und zu dem Pferde hinſchritt, ſchien das Thier ſeinen neuen Herrn begrüßen zu wollen, denn es wieherte laut auf und ſcharrte mit dem niedlichen Fuß im Sande.

Der König ſtreichelte wohlgefällig ſeinen glänzenden, ſchlanken Hals und ſtrich ihm die volle, flatternde Mähne und ſchaute ihm in die großen, blitzenden Augen.

Sei mir willkommen, mein Schlachtroß, ſagte er, mögteſt du mich in nächſter Schlacht dem Siege oder dem Tode entgegentragen!

Dann ging er wieder in das Zelt zurück, um ſich wieder auf den Divan zu ſetzen und die übrigen Geſchenke des Chans, beſtehend in koſt⸗ baren Waffen und Pelzen, entgegenzunehmen.

Und jetzt Sire, ſagte Muſtapha dann, jetzt bittet Dich der Chan auszuruhen in ſeinem Zelt, und anzuhören die Muſik, welche er liebt, und anzuſchauen die Tänze, welche ſein Auge erfreuen. Mein Gebieter weiß, daß der große König von Preußen die Muſik gleich ihm liebt und daß der Geſang Dein Herz erfreut wie das ſeine. Wenn er auszieht zum Kriege, will heißen zum Siege, nimmt er ſeine Muſikbande und Sänger mit und ſeine Baladinen müſſen vor ihm die Tänze des Sieges tanzen. Auch liebt er, gleich Dir, das Schauſpiel, an den Abenden müſſen ſie vor ihm ihre luſtigen Poſſen aufführen.*) Der Chan bittet Dich, ſeinen Sängern und Muſikern zu erlauben, vor Dir zu ſingen, ſeinen Tänzerinnen, vor Dir zu tanzen. Wird Eure Majeſtät ſeiner Bitte Gewährung verleihen?

Ich bin bereit zu hören und zu ſehen, ſagte der König. Sofort öffnete ſich auf einen Wink Muſtapha's der im Zelt angebrachte Vor⸗ hang und vier Mädchen in leichten, durchſichtigen Gewändern, ſchön und lieblich von Angeſicht, mit Augen, leuchtend wie Flammen, mit Lippen, glühend wie Purpurroſen, ſchwebten hervor, und führten zum Klange der Mandoline grazieuſe, menuetartige Tänze auf.

*) Hammer: Geſchichte des Osmaniſchen Reiches. Bd. 8. S. 14.