Nun denn, ſagte er, behaltet Eueren Sohn. Wenn Ihr ſchon ſechs Söhne durch den Krieg verloren habt, ſo iſt es billig, daß man Euch den ſiebenten läßt.
Der alte Buſchmann ſtieß einen Freudenruf aus, und wollte den wiedergeſchenkten Sohn umarmen. Aber Karl Heinrich wehrte ihn ſanft zurück, und aus ſeinem Antlitz ſprach eine Entſchloſſenheit und Energie, wie ſein Vater ſie kaum noch an ihm geſehen hatte.
Nein, Vater, ſagte er, laß mich gehen, laß mich Soldat werden, wie meine ſechs Brüder es geweſen ſind. Ich hätt's ſchon vor vier Jahren thun ſollen, damals, als man mich wieder zurückſtellte und die Anna Sophie— laß mich Soldat werden, Vater, unterbrach er ſich ſelbſt. Alle jungen Männer aus dem Dorf gehen fort, und ich ſchäme mich, allein zurückzubleiben.
Der alte Mann ſenkte traurig ſein Haupt. So gehe denn, mein Sohn, ſagte er, und möge Gott Dich ſegnen!
Und Karl Heinrich war gegangen, nicht aus Begeiſterung für das Soldatenleben, nicht aus Liebe zu ſeinem König, er war gegangen, weil er ſich ſchämte, allein zurückzubleiben!
Jetzt alſo ſtand er ſchon mehrere Monate im Felde, und der alte Buſchmann hatte immer noch keine Kunde von ihm erhalten. Aber die Nachricht von jüngſt verlorenen Schlachten war in's Dorf gekommen, und man erzählte ſich, daß der Erbprinz von Braunſchweig, bei deſſen Armeekorps Karl Heinrich ſtand, gegen die Franzoſen unter dem Mar⸗ quis von Caſtres eine Schlacht verloren habe.
Daran dachte der alte Schäfer Buſchmann, als er heute an dem hellen, duftenden Sommermorgen am Rand der Wieſe ſaß, nicht achtend der Schönheit der Natur, nicht achtend der glänzenden Sonne, die ſeinen kahlen Scheitel traf. Seine Gedanken waren fernab bei dem Sohn, und wenn er den Blick zum Himmel erhob, geſchah es nicht um ſeine glänzende Bläue, ſeine tiefe Unermeßlichkeit zu bewundern, ſondern um Gott zu fragen, ob er ihm auch dieſen letzten, dieſen ſiebenten Sohn entriſſen habe?
Aber nichts gab ihm Antwort auf dieſe ſo oft, ſo ſchmerzlich wie⸗ derholte Frage. Der Himmel ſchaute blau und glänzend wie vorher zu


