Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1859)
Entstehung
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heiter, ſondern trübe und ſorgenvoll, und ein tiefer Gram ſprach aus ſeinem alten, ehrwürdigen Angeſicht.

Und er hatte Niemand, dem er ſeinen Gram klagen, Niemand, der ihn tröſten und erheitern konnte! Er war allein, ganz allein. Auch ſein jüngſter Sohn, auch Karl Heinrich, der wirkliche Karl Heinrich Buſch⸗ mann, hatte ihn jetzt verlaſſen müſſen! Die Werber des Königs waren vor einigen Monaten, als die Franzoſen noch nicht die Provinz beſetzt hatten, in's Dorf gekommen, und hatten von den armen Brünern ihre letzten ſtreitbaren Männer, ihre letzten Söhne gefordert. Aber dies Mal hatten die Brüner nicht mehr freudig und bereitwillig dieſer Forderung Genüge geleiſtet, und ſelbſt der alte Buſchmann hatte gewünſcht, ſich ſeinen Sohn, ſeinen Karl Heinrich zu erhalten. Hatte er doch ſechs Söhne dem König in's Feld geſtellt, und waren doch alle ſechs den Hel⸗ dentod auf dem Schlachtfeld geſtorben. Karl Heinrich war ſein letztes Kleinod, ſein letztes Kind! An ihn klammerte ſich das ſchmerzzerriſſene Vaterherz mit allen zuckenden Faſern ſeiner Liebe an, um neue Lebens⸗ kraft, neuen Lebensmuth von ihm zu empfangen. Von ihm zu laſſen, ſchien ihm jetzt bitterer als der Tod, und mit Schauern dachte er an die troſtloſe Einſamkeit, an die langen, kalten, ſchweigenden Winterabende, die ihn jetzt erwarteten, wenn Karl Heinrich ihm entriſſen würde.

Deshalb, als der Werbeofficier in die Hütte des alten Buſchmann trat, und Karl Heinrich aufforderte, als Soldat unter die Fahnen des Königs zu gehen, füllten ſich die Augen des alten Mannes mit Thränen, und mit einer angſtvollen Geberde, als fürchte er, der Sohn würde ihm jetzt ſchon entriſſen, legte er ſeine beiden Hände auf Karl Heinrich's Arm.

Herr Hauptmann, ſagte er mit bebender Stimme, Herr Hauptmann, ich habe dem König ſchon ſechs Söhne geſchickt, und ſie ſind Alle für ihn geſtorben. Sagen Sie mir alſo aufrichtig, brennt es dem König auf die Nägel? Wenn's ihn brennt, ſo nehmen Sie meinen Sohn und mich auch dazu; brennt's ihn aber noch nicht, ſo laſſen Sie mir meinen Sohn.*)

Der Officier lächelte und reichte dem alten Mann gerührt die Hand.

*) Thomas Abt. Vom Heldentode für das Vaterland. S. 33.