Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1859)
Entstehung
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Deutſchland und in Flandern ſo beſchäftigen, daß es ihnen nicht möglich ſein ſoll, Neapel und Sardinien in ihren Unternehmungen zu hindern.*) Bei Gott, ein großer und kühner Plan, ganz dem energiſchen Geiſt

Friedrichs angemeſſen! rief der Prior begeiſtert aus. Wenn die beiden

kal een Könige dem großen Friedrich gleichen, ſo müßten ſie dieſen zlan mit Enthuſiasmus aufnehmen!

— Er war aufgeſtanden und ging mit haſtigen Schritten auf und ab,

dann und wann einzelne Worte vor ſich hin murmelnd, oder mit ernſter Aufmerkſamkeit vor dem Tiſch mit den Landkarten ſtehen bleibend.

Herr von Cocceji wagte nicht durch irgend ein Wort, einen Laut das tiefe Nachſinnen, die haſtigen, unverſtändlichen Selbſtgeſpräche des Priors zu unterbrechen, ſondern ſchaute ihm ſtill und mit geſpannter Aufmerkſamkeit zu, wie er immer und immer wieder haſtig auf⸗ und nieder rannte.

Endlich aber ſchien dieſer innere Kampf des Priors beendet zu ſein. Er ſtand vor dem Baron von Cocceji ſtill, und ſeine großen dunklen Augen mit ſinnendem, ernſtem Ausdruck auf ihn heftend, ſagt er leiſe und haſtig: Sie haben mich da zum Vertrauten eines großen und ge⸗ fährlichen Planes gemacht. Wenn ich meiner Pflicht als unmittelbarer Untergebener des Papſtes zu Rom, als Prieſter der heiligen Kirche, deren Widerſacher König Friedrich iſt, genügen wollte, ſo müßte ich Sie als einen gefährlichen Unterhändler und Feind hier feſthalten, und dem Oberhaupt unſerer Kirche ſchleunige Nachricht geben von dieſen Plänen, die nicht allein Clemens als Fürſt der Kirche, ſondern auch als Fürſt des Kirchenſtaates bedrohen. Aber, was wollen Sie, ich bin nicht als Prieſter geboren, und mein Herz und mein Geiſt haben ſich den Regeln und der Zucht des Ordens nicht ganz fügen wollen.— Ich bin, fuhr er mit einem anmuthigen Lächeln fort, immer noch ein wenig der rechte Bruder meines freigläubigen Bruders, des Abbé Baſtiani geblieben, und wie es ſcheint, liegt es in unſerem Blut, daß wir den großen und geiſt⸗ vollen König von Preußen lieben und anbeten müſſen.— Ich will alſo der Stimme meines Blutes und meines Herzens folgen, und ein wenig

*) Preuß: Geſchichte Friedrichs des Großen. Th. II. S. 232.