Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1859)
Entstehung
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ihm ſo großen Länderbeſitz verſchaffen, daß er ein gefährlicher Nachbar Frankreichs und Oeſterreichs wird. Dies gerade iſt der Plan und die Abſicht meines Königs, und darauf beziehen ſich die Vorſchläge, die ich in Turin machen, und um deren Befürwortung ich Sie bitten ſoll.— Der König von Sardinien hat begründete, durch den Aachener Frieden ihm zu⸗ erkannte Rechte auf die Mailändiſchen, Mantuaniſchen und Bologneſiſchen Lande. Warum macht er ſich nicht zum König der Lombardei? Das unglück⸗ liche Italien iſt, wie das unglückliche Deutſchland, zerfetzt und zerriſſen in viele kleine einzelne Länder; ſtatt Einem Herrn zu gehorchen, muß es Vielen ſich unterordnen. Die Bewohner Italiens, ſtatt ſich Italiener nennen zu können, nennen ſich Mailänder, Venetianer, Sardinier, Tos⸗ kaner, Römer, Neapolitaner, und was weiß ich, wie ſonſt noch! Das ſchwächt das Nationalgefühl und nimmt dem Volk das freudige Be⸗ wußtſein ſeiner Größe. Italien muß Eins ſein in ſich ſelber, um wieder groß und mächtig zu werden. Bemächtige der König von Sardinien ſich daher Oberitaliens, und er wird als König der Lombardei und ſeiner Erbſtaaten ein mächtiger Fürſt ſein, gefürchtet als Feind, will⸗ kommen als Bundesgenoſſe.

Und meinen Sie, daß Neapel dieſer Ländervergrößerung Sardiniens ſo ruhig zuſehen werde? fragte der Prior lächelnd.

Man muß Neapel gleichfalls Gelegenheit geben, ſich zu vergrößern. Der junge König von Neapel hat Energie; er hat das bewieſen, indem er ſich, da ſein Vater, Don Karlos von Neapel, durch das Succeſ⸗ ſionsrecht auf den erledigten ſpaniſchen Thron gerufen ward, zum König von Neapel gemacht hat, nicht achtend der Rechte des Herzogs von Parma, dem nach den Aachener Vorträgen die erledigte neapolitaniſche Krone gebührt. König Ferdinand iſt ſchon ein Uſurpator; möge er alſo fortfahren auf dieſem einmal, und mit ſo vielem Glück betretenen Wege. Er hat ſich Neapel genommen, möge er ſich Toskana und den Kirchenſtaat dazu nehmen, und er wird als König von Unteritalien ein ebenſo mächtiger König ſein, als der König von Sardinien, wenn er ſich zum Herrſcher von Oberitalien macht. Damit Beide aber ungefährdet und ungehindert ſich in den Beſitz dieſer Länder ſetzen können, wird König Friedrich von Preußen die Häuſer Oeſterreich und Frankreich in