Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1859)
Entstehung
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An der entgegengeſetzten Thür deſſelben angelangt, wandte er ſich um, aber als er ſah, daß der Prior noch immer mit erhobenem Arme auf der Schwelle ſeines Zimmers ſtand und ihm nachſchaute, ſtieß er die Thür auf und verſchwand aus dem Vorſaal.

Jetzt, mein Herr, ſagte der Prior, indem er in ſein Zimmer zurück⸗ trat und die Thür deſſelben ſorgfältig hinter ſich verſchloß, jetzt ſind wir allein, und ich bin bereit, Sie anzuhören.

Dann bitte ich Eure Hochwürden zuerſt, den Brief des Herrn Abbé Baſtiani,— Ihres Bruders, zu leſen, ſagte der Fremde leiſe.

Ah, er hat Ihnen geſagt, daß ich ſein Bruder bin! rief der Prior lebhaft. Er vertraut Ihnen alſo ſehr! Nun, erlauben Sie, daß ich zuerſt ſeinen Brief leſe!

Er öffnete den Brief und überflog ihn mit heißen ungeduldigen Blicken. Das iſt indeſſen ein ziemlich lakoniſches und räthſelhaftes Schreiben, ſagte er dann. Mein Bruder verweiſt mich ganz an Sie, und indem er mir ſchwört, daß ich Ihrer Discretion und Verſchwie⸗ genheit gewiß ſein kann, bittet er, Ihnen beizuſtehen zur Erreichung Ihres Ziels. Signor, wollen Sie mir alſo ſagen, womit ich Ihnen dienen kann, und worin das Ziel beſteht, welches Sie erreichen wollen?

Zuvörderſt will ich Eurer Hochwürden den Beweis geben, daß ich Ihnen vollkommen und unbedingt vertraue, indem ich Ihnen ſage, wer ich bin, und welches meine Ziele ſind. Eure Hochwürden werden dann ſelber ermeſſen und beſtimmen, inwiefern Sie mir Ihren Rath und Ihre Hülfe wollen angedeihen laſſen!

Laſſen Sie uns hier in die Fenſterniſche treten, ſagte der Prior, dort finden wir Seſſel und ſind ſicher, nicht gehört zu werden.

Er ſchritt voran zu der tiefen Niſche des hohen Bogenfenſters und deutete dem Fremden an, ihm gegenüber in dem lederbezogenen Lehnſtuhl mit den kunſtvoll aus Holz geſchnitzten Seitenlehnen Platz zu nehmen.

Jetzt, Signor, bin ich bereit, Sie anzuhören, ſagte er.

Der Fremde verneigte ſich. Zuerſt muß ich Eure Hochwürden um Verzeihung bitten, daß ich es gewagt habe, Sie zu hintergehen. Ich bin kein Kaufmann und handle nicht mit Reliquien, ſondern ich bin ein