Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1859)
Entstehung
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geführt. Ein Fremder wünſcht den Herrn Prior unſeres Kloſters zu ſprechen. Er hat ſeltene und ſchöne Reliquien zu verkaufen, die er in⸗ deſſen, wie er mir ſagte, nur Euer Hochwürden ſelber zeigen will.

Unſere Kirche iſt reich genug an Reliquien, rief der Prior kopf⸗ ſchüttelnd.

Und Eure Hochwürden legen keinen beſonderen Werth auf dieſelben, bemerkte der Pater Guardian mit einem ſpöttiſchen Lächeln. Doch möchte ich mir erlauben, zu erinnern, daß der heilige Vater zu Rom noch jüngſt in einem Rundſchreiben an alle Kloſtervorſteher das Anſchaffen ſchöner und ſeltener Reliquien zur Erweckung des wahren Glaubens em⸗ pfohlen hat.

Das muß der Bruder Guardian freilich am Beſten wiſſen, ſagte Bruder Anſelmo, indem er vier neue Nadeln in ſeine Landcharte bohrte. Der Bruder Theodor war es ja, der dieſes Breve mitbrachte, als er

vor einem halben Jahr aus Rom hierhergeſandt ward, um die Stelle eines Guardians einzunehmen.

Der Pater war im Begriff eine heftige Antwort zu geben, aber der Prior kam ihm zuvor, und leiſe nach der Thür hinwinkend, ſagte er: führen Sie den Fremden mit den Reliquien herein!

Wenige Minuten ſpäter trat der Reiſende aus dem Hötel des Signor Montardo in das Zimmer des Priors ein.—

Der Prior hieß ihn freundlich willkommen, und forderte ihn auf, ihm ſeine Reliquien zu zeigen.

Der Fremde zögerte und blickte bedeutſam auf die beiden Mönche hin.

Ich hatte gebeten, Eurer Hochwürden allein meine Reliquien zeigen zu dürfen, ſagte er.

Die beiden Patres ſind geweihete Prieſter, und alſs wohl befähigt, ihre Augen auf die heiligſten Reliquien zu wenden, entgegnete der Prior mit einem unmerklichen Lächeln.

Doch habe ich Demjenigen, der mir dieſe Reliquien verkaufte, mit einem feierlichen Gelübde verſprechen müſſen, nur den höchſten und oberſten Würdenträgern der Klöſter meine Reliquien zu zeigen. Er war ein frommer Mann, und als ihn die bittere Noth zwang, ſeine heiligſten Kleinodien zu verkaufen, weinte er, und flehte zu Gott, ſeinen Schätzen