— 17—
Geſtalten, die plötzlich in ihrer Mitte, gleichſam wie aus der Erde, auf⸗ tauchten. Niemand hatte ſie kommen ſehen, die hohen in lange ſchwarze Mäntel gehüllten Männergeſtalten, deren Antlitz von dem breitkrämpigen Hut ganz und gar beſchattet war, Niemand hörte von ihnen ein Wort der Drohung, und doch wich Jedermann ſcheu und ängſtlich vor ihnen zurück, und doch genügte ihre bloße, ſchweigende Gegenwart, um dieſe wüthenden Maſſen zu beſänftigen und ihren Zorn verſtummen zu machen. Selbſt Signor Montardo hatte ſchnell ſeine drohende und herausfor⸗ dernde Stellung vor dem Bilde mit der Lampe aufgegeben, und blickte ſcheu den ſchwarzen Geſtalten nach, die langſam und ſchweigend durch die zurückweichende Menge dahinſchritten.
Die Sbirri! murmelte er dem Fremden zu. Die Diener vom Rath der Zehn! Wen werden ſie mit ſich nehmen?
Aber es ſchien, dieſe gefürchteten Geſtalten wollten die Menge nur an ſich erinnern, nur drohen, ſtatt zu ſtrafen. Sie wollten dem Volk nur zeigen, daß das Geſetz über ihm wache und jeden Augenblick bereit ſei, ſeine drohenden Fänge nach ihm auszuſtrecken. Tief in ihre Mäntel gehüllt und ohne nur ein einziges Mal die Hand aus denſelben hervor⸗ zuſtrecken, ſchritten ſie geſenkten Hauptes durch die Menge hin. Ohne Jemand anzureden oder zu beachten, verloren ſie ſich dort drüben in der kleinen Gaſſe, welche nach der Piazetta führte.
Wie der letzte von ihnen hinter der Ecke der Straße verſchwand, ſchien der Zauber, welcher bis dahin die Menge gebannt hatte, ſich zu löſen. Jedermann athmete auf, wie von einer drückenden Laſt befreit, die erblaßten Wangen rötheten ſich wieder, die zuſammengepreßten Lippen lächelten wieder und hier und da begann man ſchon wieder zu plaudern und ſich über den modernen Heiligen zu beſprechen, den Ciceruachi da ausgeſtellt.
Sie ſehen, flüſterte Montardo aufathmend, auch unſere Regierung verhält ſich neutral. Sie will weder die Tereſiani, noch die Pruſſiani beſtrafen, ſie will uns nur warnen, nicht zu weit zu gehen in unſerem Eifer, uns nur daran erinnern, daß die Dolche und Meſſer auf der Straße verboten ſind. Aber laſſen Sie uns jetzt in den Laden gehen,
damit ich Sie dem Ciceruachi vorſtellen kann! Mühlbach, Friedr. d. Gr, u. ſ. Geſchw. 2, Abthl. II. 2


