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Er nahm ſeines Begleiters Arm und ging mit ihm in den Laden, in welchem ein großer, ſchlanker Mann ihnen entgegentrat. Sein ſchwarzes Haar hing wie eine wilde Mähne zu beiden Seiten ſeines bleichen, ausdrucksvollen Geſichtes hernieder, ſeine Augen ſprühten Flammen, und auf ſeinen vollen, dunkelrothen Lippen ſtand ein ſtolzes, triumphirendes Lächeln.
Nun, Montardo, ſagte er, Ihr kommt ohne Zweifel, um mir zu meinem Sieg über dieſe elenden Tereſiani Glück zu wünſchen?
Gewiß, Ciceruachi, deshalb komme ich, rief Montardo lachend. Ihr habt da eine verzweifelt originelle Idee gehabt. Eine ewige Lampe vor
dem Bilde des Königs von Preußen anzuzünden, iſt in der That eine
wundervolle Demonſtration.
Wißt Ihr, warum ich's gethan habe? fragte Ciceruachi. Die Tere⸗ ſiani haben geſtern vor der Thür ihres Kaffehauſes die Bulle des Papſtes Clemens des Elften, welche jetzt der Papſt Clemens der Dreizehnte be⸗ ſtätigt und erneuert hat, mit großer Pracht ausgeſtellt. Sie haben dieſe Bulle auf weißem Atlas drucken und in einen prächtigen Goldrahmen einfaſſen laſſen, und unter derſelben brannte eine ewige Lampe.
Und wie lautete denn dieſe Bulle? fragte Montardo.
Ich werde Euch den Anfang ſagen, rief Ciceruachi heftig, denn das Ganze habe ich nicht behalten. Der Anfang der Bulle lautete: Ihr habt längſt vernommen, daß Friedrich, Marggraf von Brandenburg, mit Verachtung der Autorität der Kirche Gottes, ſich öffentlich den Namen und die Inſignien eines Königs von Preußen angemaßt hat; ein wahhaft profaner und bei den Chriſten ganz unerhörter Brauch. Somit hat er ſich unvorſichtig genug der Zahl Derer beigeſellt, von Denen es in der Schrift heißt:„Sie haben regiert, aber nicht durch mich; ſie waren Fürſten, aber ich kannte ſie nicht.“*)— Begreift Ihr jetzt, Montardo, warum ich das Bildniß des Königs ausgeſtellt, und es mit einer Lampe geſchmückt habe? Ich meine doch, dies ſchöne Portrait verdient wohl eher eine ewige Lampe als die unſinnige Bulle des Papſtes!—
*) Eiſenſchmid: Römiſches Bullarium, oder Auszüge der merkwürdig⸗ ſten päpſtlichen Bullen, aus authentiſchen Quellen überſetzt. Bd. 2. S. 305.


