Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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den Anſchein gab, nicht von Loudon gehört werden zu wollen, aber wenn Eure Excellenz jetzt unthätig bleiben und nicht vorwärts rücken, ſo werden Sie den Oeſterreichern ganz allein die Früchte Ihrer Siege überlaſſen!

Darauf bin ich gar nicht eiferſüchtig! rief Soltikow lachend. Ich wünſche den Oeſterreichern von ganzem Herzen noch mehr Glück, als ich gehabt, ich habe aber für mein Theil genug gethan.*) Und damit genug für heute von Geſchäften! Schenk ein, Iwan, und Sie, meine Herren, füllen Sie Ihre Gläſer. Wir haben der Göttin Bellona heute eine Stunde des Glücks abgewonnen, wollen wir dieſelbe alſo genießen und aller Sorgen vergeſſen! Trinken wir noch einmal, meine Herren! Es lebe unſere liebreizende Herrin, die Kaiſerin Eliſabeth!

Sie lebe hoch, rief der Chor der ruſſiſchen Officiere ihm nach, und

die Gläſer klangen und der duftende Rheinwein perlte wie ſchäumendes Gold in den ſilbernen Bechern. Soltikow und ſeine Generäle ſchlürften ihn mit immer wachſendem Behagen ein und ihre Heiterkeit ſteigerte ſich immer mehr. Mit glühenden Geſichtern ſaßen ſie um den Tiſch und hörten ihrem angebeteten Feldherrn zu, der ihnen in harmloſer Fröh⸗ lichkeit einige luſtige Scenen aus ſeiner Jugend erzählte und ſeine Zu⸗ hörer ſo laut und entzückt lachen machte, daß die Wände dröhnten, und daß Fritz Kober, welcher da draußen im Gebüſch kauerte, nicht umhin konnte, ein wenig mitzulachen.

Immer ſtürmiſcher, immer ungebundener ward jetzt die Heiterkeit der Ruſſen. Sie träumten ſich zurück in ihre Heimath, hier und dort fing einer der weinſeligen Herren an, irgend ein ruſſiſches Lieblingslied⸗ chen zu ſingen, und die Koſacken, welche an der Thür kauerten, grinzten vor Vergnügen, wie ſie das hörten und ſummten leiſe den Refrain nach. Der Wein begann ſchon ſeine Freiheits⸗ und Gleichheitsprinzipien auf die Gemüther auszuüben und die Unterſchiede des Ranges und der Stellung aufzuheben. Aller Geſichter ſtrahlten vor Vergnügen, Jeder⸗ mann lachte und ſcherzte, trank und ſang, und Niemand gedachte jetzt noch des Königs von Preußen und ſeiner zerſprengten Armee. Man er⸗

*) Soltikow's eigene Worte. Siehe v. Archenholtz, Th. I. S. 263.