Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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innerte ſich nur noch des Sieges, den man erfochten, aber bei dem köſt⸗ lich duftenden Wein vergaß man des Beſiegten.*)

Nur Montalembert und Loudon nahmen nicht Theil an der allge⸗ meinen Fröhlichkeit. Sie hatten ſich bald von dem Tiſch mit ſeinem fröhlichen Gelage zurückgezogen und ſtanden jetzt, die wildbewegte Gruppe vor ihnen betrachtend, zuſammen an einem der geöffneten Fenſter. Es i*ſt vergeblich, flüſterte Loudon, wir werden ihn nicht bewegen können, aufzubrechen. Der deutſche Wein liegt Soltikow mehr am Herzen, als ſeine deutſchen Bundesgenoſſen.

Aber Sie, Herr General, flüſterte Montalembert, Sie ſollten thun, was Soltikow verabſäumt. Sie ſollten von dieſer Saumſeligkeit des ruſſiſchen Generals Vortheil ziehen und den König verfolgen.

Als ob ich noch hier wäre, wenn ich das thun könnte, ſagte Lou⸗ don ſchmerzvoll. Man hat mir die Hände gebunden und ich darf nichts unternehmen, was nicht im Einverſtändniß mit unſerem Verbündeten iſt. Wenn Soltikow nicht will, kann ich allein nicht aufbrechen, ſondern muß mich fügen, denn ſobald wir vereint ſind, ſollen und können wir nur gemeinſam handeln!

Ein lautes, brüllendes Lachen der fröhlichen Tiſchgenoſſen machte jetzt die beiden Herren verſtummen. Soltikow hatte eben eine ſo luſtige Geſchichte erzählt, daß ſelbſt die Koſacken laut gelacht hatten, und einer der ruſſiſchen Generäle, der das bemerkt, hatte ſie dafür belohnt, indem er von einem Armleuchter zwei ſchöne Talglichter abzog und ſie den Koſacken hinwarf, die den duftenden Leckerbiſſen mit freudigem Jauchzen empfingen.

Laſſen Sie uns gehen, flüſterte Montalembert, die Scene wird doch gar zu ruſſiſch!

Ja, laſſen Sie uns gehen, ſeufzte Loudon, wenn wir denn doch hier unthätig liegen bleiben müſſen, ſo können wir doch wenigſtens die Zeit zum Schlafen benutzen.

Niemand achtete darauf, daß die beiden Herren ſich entfernten, das

**) Siehe Preuß, Friedrich der Große, Th. II. S. 217. Gebhard's Ver⸗ theidigung Fr. d. Gr. S. 73.