Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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als wären wir verkleidete Tigerkatzen, die jeden Augenblick bereit wäven, Euch Eure herrliche Cultur und Eure feine Bildung zu rauben und aufzufreſſen. Deshalb möchtet Ihr gern immer eine Glasglocke drüber ſtülpen, wenn wir in Eurer Nähe ſind, und uns Eure Herrlichkeit immer nur hinter einer durchſichtigen Mauer zeigen, damit wir Euch bewun⸗ dern und beneiden ſollen. Wenn Ihr in Frieden und in ſchönſter Ein⸗ tracht lebt, da vermeidet Ihr uns, da dünkt ſich der Deutſche viel zu fein gebildet und zu hoch über dem barbariſchen Ruſſen, aber wenn Ihr Euch unter einander zankt und nicht mehr wißt wo aus noch ein, dann entſinnt Ihr Euch plötzlich, daß der Ruſſe Euer Nachbar iſt und daß er eine gute Klinge führt und tapfer einzuhauen verſteht. Dann ruft Ihr ihn zu Hülfe und bietet ihm Eure Freundſchaft an, das heißt aber imm er nur auf ſo lange, bis Ihr Eure anderen Feindſchaften beendet habt und unſerer nicht mehr bedürft. Aber ſelbſt, während Ihr uns Eure Freunde nennt, mißtraut Ihr uns und beargwöhnt unſern guten Willen. Führt man in Wien nicht beſtändig Klagen über uns? Apraxin ſchmachtet in Ketten und Banden, weil Oeſterreich ihn des Verrathes und des ſchlechten Dienſteifers anklagt; auch über Fermor und Butturlin hat man von Wien aus große Klage geführt und vor unſerer Kaiſerin bald ihren guten Willen, bald ihre Fähigkeiten zu verdächtigen geſucht und ihnen Verweiſe zugezogen, die ſie wahrlich nicht verdient hatten. Auch über mich, ich weiß es, hat man ſich bereits beſchwert und mich der Unthätigkeit, der Abneigung die Bundesgenoſſen zu unterſtützen, und überhaupt eines geringen Eifers für die gemeinſchaftliche Sache angeklagt. Das macht uns böſes Blut, Ihr Herren, und hättet Ihr nicht einen ſo vortrefflichen Wein in Eurem ſchönen Deutſchland, ſo könnte unſere Freundſchaft ſich wahrlich nicht lange geſund und kräftig auf den Füßen erhalten. Des⸗ halb, Herr General, nehmen Sie Ihren Becher und laſſen Sie uns zu⸗ ſammen trinken von Ihrem ſchönen deutſchen Wein, auf das Wohl un⸗ ſerer Freundſchaft! Stoßen Sie Alle mit an, meine Herren, und damit der Herr General ſieht, daß wir es ehrlich meinen mit unſerm Toaſt, leeren Sie Ihre Becher auf einen Zug!

S ie thaten Alle, wie ihnen Soltikow geheißen, und tranken in lan⸗ gen Zügen von dem feurigen alten Rheinwein, den Soltikow ſo ſehr