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keine Soldaten mehr übrig geblieben ſein.*) Ich ſpreche hier nicht gegen Sie, Herr General Loudon, denn Sie ſind mir heute ein treuer Bun⸗ desgenoſſe geweſen und wir haben zuſammen geblutet und zuſammen geſiegt, obwohl wir nicht mit einem geweihten Hut und Degen geſchützt waren, wie es der Feldmarſchall Daun iſt, der von uns immer Siege fordert, während er ſelber unentſchloſſen und unthätig ſtehen bleibt.
Eure Excellenz ſcheinen wirklich erbittert auf den Feldmarſchall Daun zu ſein? ſagte Loudon mit einem Lächeln, das er nicht ganz zu unter⸗ drücken vermochte.
Ja, rief Soltikow, ich bin erbittert auf dieſen modernen Fabius Cunctator, dem es ſo leicht geworden, berühmt zu werden, und der in Wien Ehren erndtet, die nicht ihm, ſondern Ihnen, Herr General Lou⸗ don gebühren. Denn Sie handeln, während er zögert, Sie ſind immer ſchlachtbereit und thatkräftig, während Daun immer abwartet, immer ſäumig iſt, immer nachdenkt, ob er zuſchlagen ſoll und darüber die Ge⸗ legenheit, es zu thun, vorübergehen läßt.
Die Kaiſerin, meine erhabene Gebieterin, hat ihn indeſſen mit ihrem beſondern Zutrauen beehrt, ſagte Loudon leiſe, und alſo wird er es auch wohl verdienen.
Ja, und Sie und uns hat man in Wien mit beſonderem Mißtrauen
beehrt, rief Soltikow ſtürmiſch, indem er einen Becher voll Wein hin⸗ unterſtürzte. Ihnen, ich weiß es, ſpendet man nur ſeltenes und kärgli⸗ ches Lob, denn man muß Alles für Daun reſerviren, und uns betrach⸗ tet man immer mit feindlichen, ſcheelen Blicken, und iſt immer bemüht, uns zu verdächtigen und unſern Eifer und unſern guten Willen anzu⸗ klagen.
Es iſt wahr, ſagte Loudon lächelnd, es wird uns immer ſchwer, an die Aufrichtigkeit der ruſſiſchen Freundſchaft zu glauben, vielleicht aber nur deshalb, weil wir dieſelbe ſo ſehr wünſchen und erſehnen.
Worte, ſchöne Worte, rief Soltikow hitzig. Der Deutſche hat immer ein heimliches Grauen vor dem Ruſſen, und es iſt Euch immer zu Muth,
*) Soltikow's eigene Worte. Siehe von Tempelhof: Geſchichte des ſieben⸗ jährigen Krieges. Th. III. S. 194.
Mühlbach, Friedr. d. Gr. u. ſ. Geſchw. 2. Abth. I. 10


