Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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entſchwindenden Jahre in unſer Antlitz kerbt, ſchon begann ihre Stirn ſich mit leiſen Linien zu markiren, und in ihrem Haar glänzte es hier und dort wie ein Silberfaden.

Madame du Trouſſel ſeufzte. Man hat mich zu früh verheirathet, ſagte ſie, und zudem war ich unglücklich verheirathet. Und dann bin ich mit achtzehn Jahren ſchon Mutter geweſen. Das Alles macht alt, und es ſind nicht die Jahre, ſondern die Stürme des Lebens, welche dieſe fürchterlichen Linien durch mein Antlitz gezogen. Und dann, wie ſoll man noch Intereſſe für mich haben können, wenn man neben mir eine faſt erwachſene Tochter ſieht. Ah, es iſt wirklich empörend, noch nicht vierunddreißig Jahre alt zu ſein und neben ſich eine faſt heirathsfähige Tochter zu haben, welche bald mit mir um die Huldigungen der Männer ſtreiten und meine Nebenbuhlerin ſein kann. O, mein Gott, mein Gott, es kann ein Tag kommen, an welchem ich eiferſüchtig auf meine eigene Tochter bin. Verhüte das, mein Himmel! Gieb, daß ich mich immer ihrer aufblühenden Schönheit ohne Groll freue, gieb, daß ich Camilla's Glück höher halte, als meine Eitelkeit!

Und gleichſam, als wolle ſie ſich in dieſen guten Vorſätzen ſtärken, verließ Louiſe du Trouſſel ihr Gemach und eilte in das Zimmer ihrer Tochter.

Camilla lag auf dem Divan. Ihre ſchlanke, wundervoll gebaute Geſtalt war von einem faltigen, weißen Gewande umfloſſen, ihr ſchwar⸗ zes Saar wallte in langen Locken an beiden Seiten ihres roſigen Antlitzes nieder und ringelte ſich ſchlangengleich über dieſe vollen entblößten Schul⸗ tern, mit deren Weiße es noch ſtärker contraſtirte. Camilla war damit beſchäftigt, zu leſen, und ſo ganz war ſie mit ihrer Lectüre beſchäftigt, daß ſie gar nicht gehört hatte, wie ihre Mutter eingetreten war.

Louiſe du Trouſſel näherte ſich leiſe dem Divan und ſtand dann, gleichſam in Bewunderung verloren, ſtill, um dieſes ſchöne und liebliche Bild, dieſe ruhende Hebe, mit Muße zu betrachten.

Camilla, fragte ſie dann mit zärtlichem Ton, was lieſt Du denn ſo eifrig?

Camilla ſchrak zuſammen und blickte raſch empor. Dann lachte ſie

laut auf. Ach, Mama, ſagte ſie mit ihrer ſilberhellen, weichen Stimme, Mühlbach, Friedr. d. Gr. u. ſ. Geſchw. 2. Abth. I.„ 3