Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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iſt ebenſo ſcharf, als Dein Herz edel iſt. Aber bedenke wohl, was Du thun willſt und welche Gefahren Dich bedrohen. Denn ich ſage Dir, Marietta, es handelt ſich hier nicht um gewöhnliche Freundſchaftsbriefe, ſondern um ernſte, wichtige Angelegenheiten.

Sie neigte ſich dichter an ſein Ohr und flüſterte: Alles, was Du hier erſpäheſt, das wirſt Du dieſen Briefen anvertrauen. Du wirſt ferner in denſelben Verabredungen treffen mit Deinen Freunden, Pläne entwerfen und vielleicht Verſchwörungen machen. Und ich werde dieſe Briefe adreſſiren und auf die Poſt geben, und Niemand wird ihnen miß⸗ trauen, denn meine Briefe werden an irgend eine meiner Freundinnen in Wien, oder wohin Du ſonſt willſt, gerichtet fein. Habe ich Dich ver⸗ ſtanden, und iſt es ſo recht, Carlo?

Diesmal drückte ſie Ranuzi mit wirklichem, ungekünſteltem Entzücken in ſeine Arme, und die Worte zärtlicher Dankbarkeit, welche er jetzt zu ihr ſprach, entbehrten in dieſem Moment nicht ganz der Wahrheit und Aufrichtigkeit.

Marietta lag lächelnd vor Glück und ſtolzer Seligkeit in ſeinen Armen und lauſchte mit ſtrahlenden Blicken ſeinen heißen Liebesverſiche⸗ rungen.

Als Ranuzi aber dann, nach langem ſüßen Beiſammenſein, auf⸗ brach und ihr Lebewohl ſagte, hielt ſie ihn zurück. Ihre beiden Hände auf ſeine Schultern legend, ſchaute ſie ihm mit einem ſeltſamen Ausdruck halb lächelnd und halb drohend in's Geſicht.

Noch ein letztes Wort, Carlo, ſagte ſie. Ich liebe Dich grenzenlos. Um Dir meine Liebe zu beweiſen, werde ich jetzt zur Verrätherin werden an dieſem König, welcher mir ſtets ein gütiger Herr geweſen, deſſen Brot ich eſſe und der mich erhält und ernährt. Um Dir meine Liebe zu be⸗ weiſen, werde ich zur Spionin und Kundſchafterin. Die Menſchen ſagen, das ſei ein ehrloſes Handwerk, aber ich fühle mich ſtolz und glücklich, es für Dich übernehmen zu können, und nicht für alle Schätze und Reichthümer der Welt würde ich Dich verrathen. Aber, Carlo, wenn Du einſt aufhören könnteſt, mich zu lieben, wenn Du mich täuſchen, mir untreu werden und mich verrathen könnteſt, dann, ſo wahr mir Gott helfe, dann verrathe ich Dich und mich!—