Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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So beobachte, höre und forſche überall. Und Alles, was Du hörſt und erfährſt, das hinterbringe mir. Gieb Dir den Anſchein, als ſeieſt Du eine glühende Anhängerin des preußiſchen Königs, man wird Dir dann um ſo mehr vertrauen, und Du wirſt um ſo leichter erfahren, was vorgeht. Zeige Dich liebevoll und mittheilend gegen Deinen Mann, denn er iſt ein wirklicher Anhänger des Königs und verkehrt viel mit bedeutenden Perſonen, auch iſt er am Hofe wohlgelitten. Er erfährt daher ſehr viel und wird es Dir mittheilen, wenn Du Dir den Anſchein giebſt, als ob Du ſeine Geſinnungen theilſt. Wenn Du zu den Con⸗ certen des Königs an den Hof kommſt, ſo betrachte Alles, jedes Lächeln, jeden Blick, jedes unbekannte Wort, und berichte mir Alles, was Du hörſt und ſiehſt. Verſtehſt Du mich, Marietta, und willſt Du das thun?

Ich verſtehe Dich, Carlo, und ich will es thun. Und weiter haſt Du mir nichts zu ſagen? Dies iſt das Einzige, worin ich Dir helfen kann?. Nein, Marietta, es giebt noch etwas Anderes, aber es iſt ſchwie⸗ riger und gefahrvoller.

Um ſo beſſer! Alsdann, Carlo, wird es mehr dazu dienen, Dir meine Liebe zu beweiſen. Sprich!

Es iſt den gefangenen Officieren unterſagt, verſiegelte Briefe von hier aus an ihre Verwandte oder Freunde zu ſchicken. Alle unſere Briefe müſſen offen ſein, und wenn nur ein Wort von politiſchen Din⸗ gen darin ſteht, werden ſie caſſirt. Aber alle anderen Privatperſonen haben das Recht, überall hinzuſchreiben, und zwar verſiegelte Briefe zu ſchreiben; Niemand denkt daran, ſie zu leſen, und unerbrochen be⸗ fördert die Poſt ſolche Briefe an ihren Beſtimmungsort. Haſt Du nicht auch Verwandte, denen Du ſchreibſt?

Ich habe Verwandte und Freunde, mit denen ich correſpondire, Carlo, und von jetzt an werden auch Deine Freunde die meinen werden und ich will mit ihnen correſpondiren.

Wie ſie mit einem ſchelmiſchen Lächeln ſo ſprach, leuchtete ein Strahl der Freude in Ranuzi's Augen auf, und er drückte Marietta zärtlich in ſeine Arme.

Du haſt mich verſtanden, meine Geliebte, ſagte er. O, Dein Geiſt