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Was für Gedanken, Marietta? fragte er, ſeine Hand ſanft unter ihr Kinn legend und ihr Haupt leiſe emporrichtend.
Sie ſah zu ihm empor mit einem ſeltſamen, träumeriſchen Lächeln, aber ſie ſchwieg.
Nun, was für Gedanken haſt Du, wenn ich nicht bei Dir bin? wie⸗ derholte Ranuzi ſeine Frage.
Ich denke daran, daß ein Tag kommen könnte, an welchem Du auf⸗ hören mögteſt, mich zu lieben.
Und Du denkſt, daß Du Dich dann bei Tagliazuchi zu tröſten ſuchen wirſt? fragte Ranuzi lachend.
Nein, ſagte ſie langſam, ich denke, oder vielmehr ich fürchte, daß ich mich dann rächen, an Dir rächen würde für Deine Untreue.
O, meine Tigerin droht, rief Ranuzi. Nun, Marietta, Du weißt wohl, daß ich niemals aufhören werde, Dich zu lieben. Aber doch wird ein Tag kommen, an dem wir uns trennen müſſen.
Sie ſprang mit einem wilden Schrei empor und ſchloß ihn ſtür⸗ miſch in ihre Arme. Nein, rief ſie glühend und zitternd, nein, Nie⸗ mand ſoll es wagen, Dich mir zu entreißen. Wir werden uns niemals wieder trennen!
Du meinſt alſo, daß ich nicht bloß Dein Gefangener auf Lebens⸗ zeit ſein ſoll, ſondern auch der Gefangene des Königs von Preußen? fragte Ranuzi, indem er ſie ſanft an ſich zog.
Nein, Du ſollſt frei ſein, frei, aber ich will es mit Dir ſein, Carlo. Wenn Du Berlin verläſſeſt, gehe ich mit Dir, und Nichts ſoll im Stande ſein, mich hier zu halten und zu binden. Tagliazuchi wird mich nicht zurückholen, vorausgeſetzt, daß ich ich ihm mein kleines Vermögen laſſe; und ich werde das thun, ich werde nichts mit mir nehmen; arm und ohne Hab' und Gut werde ich Dir folgen, und nichts verlangen und nichts for⸗ dern, als bei Dir zu ſein.
Sie preßte ihn feſt in ihre Arme, und ſo groß war ihre Aufre⸗ gung, daß ſie gar nicht die ſinſtere Wolke ſah, welche ſeine Stirn über⸗ flog, als ſie ſo ſprach. Auch verſchwand dieſe ſchnell genug wieder und ſeine Züge nahmen wieder ihren glänzenden und leuchtenden Aus⸗ druck an.


