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zu machen, hat er mich dabei in ſeinem Herzen verwünſcht, und er würde mich nimmer wieder beſungen haben, wenn nicht mein Ruhm für ihn eine Geldquelle geweſen wäre, die man nicht erſchöpfen noch verſtopfen durfte. Aber meine Stimme war den vielen Anſtrengungen nicht ge⸗ wachſen, ſie fing an ſich leiſe zu umſchleiern, und ſo mußte ich es faſt für ein Glück betrachten, daß mir der Graf Algarotti den Antrag machte, als zweite Sängerin nach Berlin zu gehen, und ich mußte das um ſo mehr, als der Graf gleichzeitig Tagliazuchi die Stelle eines Opern⸗ dichters bei der Berliner Oper antrug. So verließ ich mein ſchönes Italien, ſo verließ ich Dich, um in dem kalten Norden Geld zu verdie⸗ nen. Und jetzt bereue ich es nicht mehr, daß ich es that, denn hier ſollte ich Dich wiederfinden, Dich, den Geliebten meiner Jugend, Dich, meine Jugend ſelber. O, mein Gott, nimmer werde ich den Tag vergeſſen, wo ich Dich vorübergehen ſah. Ich erkannte Dich trotz der Uniform und trotz der vielen Jahre, in denen ich Dich nicht geſehen, ich erkannte Dich, und es waren nicht meine Lippen, nein, es war mein Herz, welches dieſen lauten Schrei ausſtieß, der machte, daß Du emporblickteſt und zu mir hinſahſt. Und nun erkannteſt auch Du mich und ſtreckteſt die Hände zu mir empor, und ich wäre aus dem Fenſter geſprungen, um in Deine Arme zu eilen, hätte mich Tagliazuchi nicht zurückgehalten. Ich aber ſchrie: Es iſt Ranuzi! Es iſt Carlo! Ich muß zu ihm hin!— Da öff⸗ nete ſich die Thür, da trateſt Du herein, ich ſah Dich an, ich hörte Deine Stimme, und niemals iſt ein Menſchengeſchöpf ſeliger in Ohnmacht ge⸗ fallen, als ich es in jenem Moment that.
Und Tagliazuchi ſtand dabei und lächelte, ſagte Ranuzi lachend. Es war auch wirklich eine recht hübſche Scene für einen Operndichter, und das mochte er wohl denken und ſie gleich aufzeichnen wollen, denn er ging hinaus und ließ uns allein, und Du erwachteſt in meinen Armen.
Und ſeitdem erwache ich immer nur, wenn ich in Deinen Armen ruhe, rief Marietta leidenſchaftlich. Wenn Du nicht bei mir biſt, ſchlafe ich, Du biſt die Sonne, welche mich weckt, und wenn Du fortgehſt, wird es Nacht, finſtere Nacht um mich, und traurige und finſtere Ge⸗ danken beſchleichen mich dann.


