— 26—. genug war, eine Stelle als Officier bei der Leibgarde des Papſtes und ließen mich das ſchwarze Ordenskleid mit dem goldgeſtickten Waffenrock vertauſchen.
Und Du vergaßeſt mich, ſagte Marietta vorwurfsvoll. Du ließeſt mich nicht einmal wiſſen, wo Du ſeieſt, und erſt nach fünf Jahren, als ich in Florenz als Sängerin angeſtellt war, erfuhr ich, was aus Dir geworden ſei. Ich liebte Dich noch immer, aber was hätte es mir ge⸗ holfen, es Dir zu ſagen? Wir waren einander ſo fern und die Armuth trennte uns noch immer. Ich mußte erſt reich werden, Du erſt Carrière machen, dann erſt durften wir daran denken, uns wieder einander anzu⸗ gehören! Ich ſchwieg alſo und wartete.
Du warteteſt und ſchwiegſt ſo lange, bis Du mich vergaßeſt, rief Rannzi, indem er nachläſſig eine ihrer langen ſchwarzen Locken durch ſeine Finger gleiten ließ. Und als Du mich vergeſſen hatteſt, da fandeſt Du, daß Signor Tagliazuchi ein ziemlich hübſcher Mann ſei, den man wohl lieben könnte.
Tagliazuchi verſtand es, meiner Eitelkeit zu ſchmeicheln, ſagte ſie düſter. Er ſchrieb zu meinem Ruhm ſchöne und gluthvolle Gedichte, die ganz Florenz, ja ganz Italien las, denn er ließ ſie in der Zeitung von Florenz drucken und ſchrieb dort auch über meinen Geſang und und mein Spiel. Als er mir ſeine Liebe geſtand und mir ſeine Hand anbot, dachte ich, wenn ich ihn ausſchlüge, würde er mich mit ſeinem Haß verfolgen, und Italien, welches jetzt ſeine begeiſterten Hymnen auf mich las, würde dann auch die Spottgedichte und Anklagen auf mich leſen, und Tagliazuchi würde mich dann eben ſo ſehr tadeln, wie er mich jetzt lobte. Ich war zu ehrgeizig, um das ertragen zu können, und hatte nicht den Muth, mich ihm zu verweigern. So ward ich ſeine Gattin, aber indem ich es ward, verabſcheute ich ihn und ſchwur mir, es ihn büßen zu laſſen, daß er mich gezwungen, ſein Weib zu werden.
Dieſer Zwang beſtand indeß nur in den Lobgedichten und Kritiken, die er auf Dich gemacht hatte, rief Ranuzi leicht hin.
Ich habe meinen Schwur gehalten, fuhr Marietta fort, ich habe es ihn büßen laſſen, was er an mir gethan, und ich denke oft, wenn er ſpäter gezwungen war, auf mich eines ſeiner ſchwungvollen Lobgedichte


