Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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ſeine Lippen leiſe unverſtändliche Worte murmelten. Ihm zur Seite ſtand eine Frau in ſchwarzer Kleidung, mit aufgelöſtem Haar, das lang über ihren Rücken herniederfloß. Ihr Antlitz war farblos und bleich, wie das einer Leiche, und feſt geſchloſſen, wie bei einer Todten, waren ihre ſchmalen, blutleeren Lippen. Aber in ihren Augen war noch Leben, aus ihnen flammte eine düſtere, wilde, fanatiſche Gluth, und ihre Blicke, die wie Irrlichter umherflackerten, erfüllten alle Diejenigen, auf welchen ſie ruhten, mit einem fröſtelnden, unheimlichen Gefühl des Grauſens.— Wie ſie jetzt ganz zufällig nach dem Fenſter emporſchaute, an welchem die drei Herren ſtanden, flog der Schatten eines Lächelns über ihr Antlitz hin und ſie nickte leiſe mit dem Kopf. Niemand achtete vielleicht darauf, Niemand ſah, daß Herr von Giurgenow dieſen Gruß erwiederte, und dieſem ſeltſamen, räthſelhaften Weibe da unten wie im Einverſtändniſſe zulächelte.

Wiſſen Sie, Meſſieurs, was das Alles bedeutet? fragte der fran⸗ zöſiſche Offizier verwundert.

Das bedeutet, ſagte der Ruſſe lachend, daß das Volk da von ſeinem großen Propheten den Ausgang, oder vielmehr das Ende des Krieges erfahren will. Dieſes gute Volk ſehnt ſich, wie es ſcheint, nach Ruhe, und möchte wiſſen, wann es dieſelbe erlangen wird. Der Mann da weiß das, denn er iſt, wie geſagt, ein großer Prophet und alle ſeine Verkün⸗ digungen ſind wahr geworden.

Und Sie vergeſſen ganz die Frau zu erwähnen? fragte Ranuzi mit einem eigenthümlichen Lächeln.

Die Frau iſt, glaube ich, eine Kartenſchlägerin, welche bei der Prin⸗ zeſſin Amalie viel gilt, ſagte Herr von Giurgenow gleichgültig. Aber hören wir doch, was der Prophet eben ſagt.

Sie ſchwiegen und lauſchten mit geſpannter Aufmerkſamkeit hin⸗ unter. Und jetzt erhob ſich über der lauſchenden Menge die Stimme des Propheten; ſchmetternd und ſchallend wie eine Trompete war ſie anzuhören, und Niemanden entging ein Wort von dem, was ſie ſprach.

Brüder, rief der Prophet, warum haltet Ihr mich auf, und was ſtört Ihr mich in meinem friedlichen Gange? Mich und dieſes Weib,