Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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dieſelbe auch ausdehnte auf die gefangenen Officiere, die in Berlin ihren gezwungenen Aufenthalt genommen. Man hatte ſich ſo lange bemüht, ſie nicht entgelten zu laſſen, daß ſie Feinde ſeien, bis man wirklich da⸗ hin gekommen war, es zu vergeſſen, und dieſe ſchönen, lebensluſtigen und unterhaltenden Herren nicht mehr als Gefangene betrachtete, ſondern als Reiſende, die freiwillig nach Berlin gekommen waren, und denen man daher mit Freundlichkeit und Zuvorkommenheit die Honneurs der Stadt zu machen habe.*) Uebrigens hatte der König ſelber befohlen, daß man in Berlin die gefangenen Officiere mit außerordentlicher Höflichkeit auf⸗ nehme, und wenn man daſelbſt bei Hofe Feſte gab, ſo geſchah das auch nur auf den ausdrücklichen Willen des Königs, welcher der Welt be⸗ weiſen wollte, daß ſeine Familie durchaus nicht verzagt und kummervoll, ſondern heiter und getroſten Muthes ſei.

II. Die drei Officiere.

Es war im Frühling des Jahres 1759. Die Winterruhe war zu Ende, und man erzählte ſich, der König ſei ſchon wieder aus ſeinen Winterquartieren in Breslau aufgebrochen, und ziehe den Feinden wieder muthvoll entgegen. Auch enthielten die Berliner Zeitungen ſchon wieder die Nachrichten von einzelnen Scharmützeln und Gefechten, die hier und dort zwiſchen den preußiſchen und den feindlichen Truppen vorgefallen, und in denen, wie es ſchien, Preußen immer unglücklich geweſen.

*.) Den Kriegsgefangenen, ſchreibt Sulzer, begegnet man hier, als wenn ſie fremde Reiſende wären. Sie ſind beim ſchönen Geſchlecht außerordentlich wohl gelitten.(Siehe: Briefwechſel der Schweizer Sulzer, Bodmer, Gleim ec.)