und angſtvollen Geſichter unter heiteren Masken, man übertönte ſeine Seufzer und Klagen mit dem lauten Schall der Tanzmuſik, und während in der Ferne vielleicht die Oeſterreicher, Ruſſen und Preußen in blutiger Schlacht ſich gegenüberſtanden, tanzten die Berliner Damen mit den gefangenen öſterreichiſchen und ruſſiſchen Officieren die anmuthigen franzöſiſchen Tänze, wie ſie am feindlichen Hofe zu Verſailles jetzt Mode waren. Freilich gab es Traurige und Unglückliche genug in dieſem an⸗ ſcheinend ſo heiteren und luſtigen Berlin, aber ſie verbargen ſich mit ihren Thränen und ihrem Kummer in ihrem ſtillen Kämmerlein, und ihre gramumdüſterten Geſichter warfen keine düſteren Schatten auf die heiteren und lebensfrohen Geſichter der ſchönen Damen, welchen der Krieg die Brüder, Geliebten und Gatten entführt, und denen er dafür in den gefangenen Officieren, wenn nicht Stellvertreter, doch eine Zer⸗ ſtreuung geſandt hatte. Zudem iſt es unmöglich, immer zu trauern, immer zu klagen, immer in klöſterlicher Stille zu leben. Man hatte damit angefangen, die Schwüre der Treue, welche man beim Abſchied geleiſtet, halten zu wollen, und Berlin hatte anfangs ganz die Phy⸗ ſiognomie einer ſchönen, trauernden Wittwe gehabt, welche nichts mehr wiſſen will von der Luſt des Lebens. Aber allgemach hatte man doch dem Geſetz der Natur, welche das Vergeſſen lehrt, folgen müſſen. Die Thränen waren allmählig verſiegt, die Seufzer waren verſtummt; man hatte gelernt ſich einzurichten mit dem Leben und begierig nach jedem Sonnenſtrahl zu haſchen, der dieſe kalte Oede der Hoffnungsloſigkeit ein wenig durchleuchten könnte; man hatte eingeſehn, daß man immerhin ganz behaglich leben könne, wenn auch der Krieg da draußen tobe und wüthe, und daß es der ſchwachen Menſchennatur verſagt ſei, immer in Spannung und Aufregung, immer in der Erwartung großer Dinge, welche da draußen geſchehen könnten, zu exiſtiren; das Leben ſelbſt, die Gegenwart ſelbſt machten ihre Anforderungen, und man mußte ſich ihnen wohl fügen. Man lernte im Laufe der Jahre wieder ſcherzen und lachen und heiter ſein trotz der draußen tobenden Kriegeswuth, und wie ſehr man auch ſein Vaterland liebte, und die Siege des Königs mit Jubel, ſeine Niederlagen mit Trauer aufnahm, ſo konnte doch die Ani⸗ moſität gegen die Feinde des Vaterlandes nicht ſo weit gehen, daß man
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Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
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