Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
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ſo vielen tauſend Exemplaren verbreitet waren, ſondern man war ſogar naiv genug, an die Aechtheit derſelben zu glauben, ſo daß der öſterrei⸗ chiſche Hof ſich zu der öffentlichen Erklärung veranlaßt ſah, alle dieſe Briefe ſeien untergeſchoben, der Feldmarſchall Daun habe vom Papſt nicht eine geweihte Perrücke, ſondern einen geweihten Hut erhalten, und niemals habe die Kaiſerin von der Marquiſe von Pompadour einen auch nur annäherungsweiſe ähnlichen Brief erhalten.*)

Dieſefliegenden Blätter wie geſagt, das waren die Waffen, mit welchen der König ſeine Feinde bekämpfte, wenn die rauhe Jahreszeit es unmöglich machte, ihnen im offenen Felde gegenüber zu ſtehen. In dem Winterquartier von 1758 entſtanden die meiſten dieſer fliegenden Blätter, und Niemand, außer dem vertrauteſten Freunde des Königs, dem Marquis d'Argens, ahnte, wer der Verfaſſer dieſer gehaßten und gefürchteten Satyren ſei.

Auch die Feinde des Königs benutzten die Winterruhe zu allerlei Angriffen und Feindſeligkeiten. Ihre Spione und Kundſchafter ver⸗ theilten ſich durch ganz Deutſchland, unter den verſchiedenſten Masken und Geſtalten wußten ſie ſich überall, ſelbſt in Berlin in den höchſten geſellſchaftlichen Kreiſen Eingang zu verſchaffen. Mit allen Mitteln der Schmeichelei, der Beſtechung, der glänzenden Verſprechung wußten ſie ſich Anhänger und Freunde, und dem Wiener Hofe inmitten der preußiſchen Hauptſtadt Kundſchafter und Berichterſtatter zu erwerben. Aber ſie begnügten ſich nicht damit allein, ſondern ihre hochfliegenden und kühnen Pläne wollten in dem Innern des Landes ſelbſt ſich Bundes⸗ genoſſen und Streiter werben, und den Krieg auf verrätheriſche Weiſe in die Feſtungen und die Ringmauern der Städte hineinſpielen. Den in den preußiſchen Feſtungen befindlichen öſterreichiſchen und ruſſiſchen Gefangenen wußte man heimlich den Plan einer Verſchwörung mitzutheilen, welche die preußiſche Feſtung Küſtrin in den Beſitz der Feinde bringen, und den Heeren derſelben neue Streitkräfte zuführen ſollte. Freilich war die Zahl der in Küſtrin gefangenen Ruſſen, welche man nach der Schlacht von Zorndorf dorthin geführt, der Beſatzung der Feſtung faſt

*) Lebensgeſchichte Laudon's von Johann Pezzl, S. 102.