Teil eines Werkes 
Neue Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Finſterniß der Kirche mit dem grellen Licht der Aufklärung, vielleicht ſogar der Freigeiſterei durchleuchtet hatte, der die Prieſter mißachtete, und oft ſogar ſchon Diejenigen, welche die heilige katholiſche Mutterkirche wegen Ketzerei und Unglauben verbannt hatte, in ſeinen Landen aufge⸗ nommen und ſie unterſtützt hatte. Benedict der Vierzehnte, der Vorgänger des jetzigen Papſtes, hatte ſich wohl auch zu den Feinden des Königs bekannt, aber er war weiſe genug geweſen, zu ſchweigen, um den vielen katholiſchen Unterthanen des Königs, den vielen Klöſtern und Collegien nicht den Zorn des Königs zuzuziehen. Aber Clemens in ſeinem fana⸗ tiſchen Eifer genügte das nicht. Er wollte mit Hand und Mund kämpfen gegen den ketzeriſchen König, er erhob gegen ihn den Bannſtrahl der Kirche, er ſchleuderte gegen ihn Worte der Verwünſchung und ſpendete Denen, welche gegen ihn kämpften, Worte des Segens und des Heils. Dieſem fanatiſchen Haß des Papſtes verdankte Oeſterreich eine neue Würde, einen neuen Titel, denn Dank ſeiner Feindſchaft gegen den ketze⸗ riſchen König von Preußen, und zum Lohne für die großen und vor⸗ trefflichen Verdienſte, welche Oeſterreich in dieſem Kriege gegen den Ketzerfürſten ſich um den römiſchen Stuhl erworben, legte der Papſt der Kaiſerin von Oeſterreich für ſich und ihre Nachkommen den Titel und die Würde einerApoſtoliſchen Majeſtät bei. Aber nicht bloß das Kaiſerhaus Oeſterreich, ſondern ſeine Feldherren und die ganze Armee der gläubigen und frommen Chriſten ſollten es inne werden, daß der Segen des Papſtes auf ihren Waffen ruhe, und ſie feie gegen alles Ungemach und alle Niederlagen. Der glänzende Siegestag von Hochkirch mußte daher von dem Papſt noch beſonders gefeiert werden, und die Armee der Verbündeten zu neuen ruhmvollen Waffenthaten anſpornen. Deshalb ſandte der Papſt dem Feldmarſchall Daun, welcher die Schlacht bei Hochkirch gewonnen, einen geweihten Hut und Degen, und machte damit den politiſchen Krieg zu einem religiöſen, bei dem es ſich nicht mehr bloß um Länderbeſitz, ſondern um den heiligen Kampf gegen den drohenden ketzeriſchen Feind der katholiſchen Kirche handelte, und wobei der fanatiſche Prieſter gar nicht in Betracht nahm, daß einem alten hiſtoriſchen Gebrauch gemäß die Päpſte dieſe Weihgeſchenke immer