Lage überſchaute und das Böſe zum Guten zu wenden verſtand. Seine Feinde konnten daher nach einer gewonnenen Schlacht wohl ſagen, daß ſie den König von Preußen beſiegt, aber niemals, daß ſie ihn Überwunden hätten. Denn immer wieder ſtand der König gerüſtet und kampfbereit ihnen gegenüber, ſie angreifend, wenn ſie es am wenigſten vermutheten, jede ihrer Schwäche benutzend, aus jedem ihrer Fehler Vortheil ziehend. Die fallenden Reihen ſeiner Soldaten ſchienen nur die Drachenzähne zu ſein, welche der König in die Erde ſäete, neue gewappnete und kampf⸗ bereite Krieger daraus emporwachſen zu laſſen, und während in den Heeren der verbündeten Oeſterreicher, Sachſen und Ruſſen Hunger und Krankheit herrſchten, während man in Wien, Petersburg und Dresden begann, die Koſten des Krieges als eine drückende, kaum noch aufzu⸗ treibende Laſt zu empfinden, war die preußiſche Armee geſund und wohl verſehen mit Vorräthen, und die Kaſſen des Königs, Dank den engliſchen Subſidien und dem leichten Gelde, ſchienen unerſchöpflich zu ſein.
So waren, wie geſagt, jetzt ſchon drei Jahre des nie raſtenden Krieges vergangen. Sie hatten die Heldenſtirn des Königs mit neuen Lorbeern umwunden und dieſe waren ſo voll und glänzend, daß die verlorenen Schlachten nicht im Stande waren, einen Schatten auf die⸗ ſelbe zu werfen. Die Schlachten von Lowoſitz, von Roßbach, von Leuthen und von Zorndorf waren ſo glänzende Siege geweſen, daß ſie nicht durch die Niederlagen von Collin und Hochkirch verdunkelt werden konnten, wie ſehr auch ſeine Feinde bemüht waren, ihren Siegesjubel durch ganz Europa zu ſchmettern, ihre Siege als entſcheidende zu preiſen und alle Mittel anzuwenden, um ihre Armeen und ihre Völker das glauben zu machen.
Dieſen Feinden des Königs, welche mit dem Schwerte gegen ihn kämpften, hatte ſich jetzt noch ein furchtbarer Feind hinzugeſellt, welcher mit den heiligen Worten der Bibel gegen ihn losging. Dieſer neue Feind war der Papſt Clemens der Dreizehnte, der ſeit dem Mai des Jahres 1758 den apoſtoliſchen Thron beſtiegen hatte, und ſich laut und ohne Rückhalt zu dem unverſönlichen Feind dieſes kleinen Marquis von Brandenburg erklärte, der es wagte, in ſeinen Landen Aberglauben und Frömmelei dem Geſpött und Gelächter Preis zu geben, der die geheiligte


