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Sie halten das erſehnte Portefeuille in Händen?
Ich? rief der Graf halb ärgerlich, halb beluſtigt. Ich halte gar nichts in Händen und werde niemals etwas in Händen halten. Wollen Sie wiſſen, was mir der König geſagt hat? Er hat mir höchſt ernſtlich und feierlich verſichert, daß ich reich genug wäre, und eer mir daher niemals auch nur einen Thaler geben würde!
Jetzt brachen Alle in ein fröhliches Gelächter aus. Geſtehen wir, ſagte Baron Bielfeld lachend, geſtehen wir, daß wir da heute ein wundervolles Luſtſpiel aufgeführt haben, ein Luſtſpiel, welches Molière geſchrieben haben könnte, und welches den Titel führen müßte: la Journée des Dupes.— Nun, da wir Alle nichts Be⸗ ſonderes geworden ſind, ſo wollen wir Alle zufrieden ſein, und uns recht herzlich liben.— Aber hören Sie nur! Der König ſpielt die Flöte! Ah, wie weich und ſchön das klingt! Laſſen Sie uns zu⸗ hören!
Ja, der König blies die Flöte. Er verjagte mit dieſen harmo⸗ niſchen Klängen die böſen Geiſter der Langeweile, und der zwang⸗ vollen Etiquette, welche ihn heute heimgeſucht. Er blies die Flöte, um wieder Er ſelbſt zu werden, um wieder eine heitere Stirn, und ein heiteres Herz zu haben.
Bald aber legte er die Flöte bei Seite. Denn ſein Auge heftete ſich auf jenen mit uneröffneten Briefen und Papieren bedeckten Tiſch dort. Er mußte alle jene Briefe und Papiere noch ſelbſt leſen, ſelbſt beantworten. Er allein. Denn Niemand ſollte für ihn arbeiten, ſondern Jeder nur durch ihn, Niemand ſollte an ſeiner Statt de⸗ cretiren und befehlen. Von ihm ſollte Alles ausgehen, er wollte die Seele und das Herz ſein ſeines Staates.
Er hatte alſo nicht mehr Zeit, die Flöte zu blaſen, er mußte arbeiten, denn er war ein König, das heißt der erſte Diener, der erſte Arbeiter und Verwalter eines Volkes und eines Landes.
Er erbrach die Briefe und las ſie und ſchrieb die Antwort an den Rand jedes dieſer Papiere, damit die Kabinetsſecretaire ſie weiter
ausführen und der Forin gemäß ſchreiben ſollten. 3


