Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Jetzt war die Arbeit bald zu Ende. Dieſes Papier mit dem großen Siegel, das er jetzt öffnete, das war für heute das letzte.

Es war ein Schreiben vom geiſtlichen Departement, welches be⸗ richtete, daß durch die, in Berlin geduldeten römiſch⸗katholiſchen Schu⸗ len viele Einwohner Berlins vom Proteſtantismus zum Katholicismus verleitet würden. Das geiſtliche Departement fragte alſo an, ob es nicht beſſer ſei, die katholiſchen Schulen aufzuheben und zu ſchließen? Ein mitleidiges Lächeln flog durch die Züge des Königs, als er das las. Und ſie ſagen, ſie glauben Alle an einen Gott, ſagte er, und ihre Pfaffen predigen chriſtliche Duldung und chriſtliche Liebe und wiſſen doch ſelber nichts davon. Sie haben Alle nicht Gott, ſondern nur die Kirche vor Augen. Unduldſam ſind ſie in ihrem Herzen, hochmüthig und voll Tücken. Aber ich werde ſie beugen und ihre angemaßte Macht brechen. Mein ganzes Leben wird ein Kampf ſein mit den Pfaffen. Sie werden mich verhöhnen und verketzern, immerhin! Mag die Kirche wider mich ſein, wenn nur mein Gewiſſen mich frei ſpricht! Nun, wir wollen den Krieg beginnen, und was ich jetzt ſchreibe, wird wie ein Lärmſignal mitten in das fromme Pfaffenlager hinein⸗ fahren! 3

Er nahm die Feder wieder zur Hand und ſchrieb als Antwort an das geiſtliche Departement an den Rand des Papiers:Die Re⸗ ligionen müſſen alle tolerirt werden, und muß der

Fiscal nur das Auge darauf haben, daß keine der an⸗

dern Abbruch thue, denn in meinen Landen muß ein Jeder nach ſeiner Fagçon ſelig werden.*).

*) Büſching: Charakter Friedrich des Zweiten, pag. 152.

Ende des erſten Bandes.

enrsezo-