meine Erhöhung anbetrifft, ſo iſt ſie in der That ſo unmerklich, daß man ſie kaum gewahr werden kann. Der König hat mir geſagt, daß er mich für die diplomatiſche Carriere beſtimmt hätte, allein daß ich dazu erſt einiger Lehrjahre bedürfe. In dieſer Abſicht habe er mich auserſehen, den Geſandten, Grafen Truchſeß, nach Hannover zu be⸗ gleiten. Wenn ich von dort zurückkäme, würde er mich weiter be⸗ fördern. Das iſt meine ganze Erhöhung, und Sie müſſen geſtehen, das heißt einen etwas kleinen Anfang machen!*)— Aber Sie, lieber Jordan, welche wichtige Stelle haben Sie erhalten? Denn ohne Zweifel hat der König Sie, ſeinen liebſten Freund, vor uns Allen bevorzugt, und das mit vollem Recht! Sagen Sie alſo, was ſind Sie?
Ja, was ſind Sie? fragten und riefen die andern Cavaliere eifrig durcheinander. Sind Sie Staatsrath geworden? Sind Sie Miniſter der geiſtlichen Angelegenheiten? 3
Was ich bin? fragte Jordan lächelnd. Ich will es Ihnen ſagen, meine Freunde, ich bin nicht Miniſter der geiſtlichen Angelegenheiten geworden und nicht Staatsrath, ich bin,— ach, Sie errathen es nimmermehr, was ich geworden— ich bin— Director der Armen⸗ polizei geworden. Ich ſoll die Straßen Berlins von dem läſtigen Bettelvolk reinigen, und ein Arbeitshaus für die Armen und Bet⸗ telnden anlegen.**) Nun, meine Freunde, finden Sie mich noch be⸗ neidenswerth?
Alle ſchwiegen, und wiegten ſinnend und trübe das Haupt. Dann richteten ſich Aller Blicke auf den Grafen Wartensleben.
Alſo Sie, lieber Graf, Sie ſind der Beglückte?
Sie haben den goldenen Apfel abgeſchoſſen?
*) Bielfeld. Vol. I. pag. 129.
**) Preuß, Jugendgeſch. 323.„Jordan miethete für dieſes vom König befohlene Armeninſtitut ein Haus am Platz von Belle⸗Alliance, welches dem Fleiſchergewerk angehörte und als Zeichen deſſen einen Ochſenkopf führte, wel⸗ cher Name durch den Volkswitz gleichbedeutend mit Arbeitshaus blieb, ſelbſt dann noch, als dieſe Anſtalt aus dieſem Hauſe verlegt, und für dieſelbe auf dem Alexanderplatz ein eigenes Gebäude errichtet ward.“


